Contents : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

I.  Die  Abrechnung  mit  Oesterreich.  17

Friedrich  betriebenen  Marsch  auf  Wien  plötzlich  ein,  um  sich
nach  Verlust  kostbarer  Zeit  gegen  Prag  zu  wenden.  Das  störte
Friedrichs  Eutwürfe  und  verknüpfte  die  schlesische  Frage  besorglich
  mit  Momenten,  die  sich  seiner  Einwirkung  entzogen.
Gern  ergriff  er  daher  die  Gelegenheit,  um  sich  den  kaum  eingegangenen
  Verpflichtungen  wieder  zu  entziehen.

Die  Bedrohung  Hannovers  durch  die  Franzosen  machte
auf  Georg  II.  Eindruck.  Seine  Neutralität  zu  erwirken,  es
vor  einer  Kooperation  Preußens  mit  Frankreich  zu  schützen
und  so  mittelbar  auch  Oesterreich  Luft  zu  machen,  sagte  er
Karl  Albert  seine  Kurstimme  zu  und  drang  in  Preßburg  auf
Nachgiebigkeit  gegen  Friedrich.  Um  die  Neippergsche  Armee,
die  bei  Neisse  stand,  die  einzige,  die  man  Karl  Albert  augenblicklich
  entgegenstellen  konnte,  zur  Verteidigung  Böhmens  frei
zu  machen,  entschloß  sich  Maria  Theresia  endlich  dazu:  Lord
Hyndford  trat  wieder  in  Thätigkeit.  Nur  gab  Friedrich  der
Sache  jetzt  eine  merkwürdige  Wendung.  Um  nicht  durch  den
Bruch  des  Bundes  mit  Frankreich  dessen  in  Westfalen  stehende
Armce  auf  sich  und  Hannover  zu  ziehen,  verlangte  er  einen
geheimen  Frieden  unter  scheinbarer  Fortsetzung  der  Feindseligkeiten.
  Die  militärischen  Einzelnheiten  zur  Durchführung  des
Trugspiels  vereinbarte  Oberst  von  der  Goltz  mit  Neipperg  in
Neisse.  Dieses  sollte  noch  vierzehn  Tage  zum  Schein  verteidigt
werden,  Neipperg,  scheinbar  aus  Schlesien  verdrängt,  ungehindert
nach  Böhmen  abziehen,  der  Kampf  dort  ruhen,  das  heißt
Schlesien  im  Besitz  Friedrichs  bleiben,  der  dafür  versprach,  in
dem  allgemeinen  Frieden  nur  Niederschlesien  und  Neisse  zu  fordern,
  die  ihm  jetzt  bereits  zugesagt  wurden,  und  nichts  gegen
Oesterreich  und  seine  Alliierten  zu  unternehmen.  Dieses  merkwürdige
  Abkommen  wurde  am  9.  Oktober  1741  zu  Klein-Schnellendorf
  abgeschlossen,  indem  Lord  Hyndford  in  einem  geheimen
  Protokoll  bezeugte,  er  habe  den  König  und  Neipperg
die  betreffenden  Abmachungen  mündlich  treffen  hören.  Selbst
die  Beteiligten  gelobten  unverbrüchliches  Schweigen.  Podewils
blieb  uneingeweiht.

Daß  er  zu  solchem  Doppelspiel  seine  Zuflucht  nahm,  beweist

  am  besten,  wie  Friedrich  mit  seiner  Politik  in  eine  Sack-Prutz.
  Preußische  Geschichte.  III.  2