stitutionalismus“! Ballin sagte, als ich ihn hierauf hinwies: „Heiliger
Konstitutionalismus! Wo bist du hin? Das ist ja >personal
politics, with a vengeance<!“*) Ich einigte mich mit Ballin dahin,
daß Herr v. Bethmann sofort zitiert werden müsse, um seinerseits
sich zu informieren und zu dieser eigentümlichen Lage Stellung zu
nehmen.
Telephonisch gerufen war Bethmann bald zur Stelle. Auch ihm
verursachte die Situation zunächst ein gewisses Erstaunen, es war
interessant, sein Mienenspiel zu beobachten, als er orientiert wurde.
Der Kanzler schlug vor, zur ressortmäßigen Erledigung auch den
Staatssekretär des Reichsmarineamts Admiral v. Tirpitz hinzuzuziehen,
und empfahl, in derselben Art und Form, wie die von Cassel
überreichte Note, eine Antwort in englischer Sprache aufzusetzen und
sie Sir Ernest mitzugeben, der abends wieder reisen wollte. (Englisch
wurde gewählt, weil man Unklarheiten und Mißverständnisse bei einer
Übersetzung in London befürchtete.) Der Kanzler bat mich, da ich
am besten Englisch verstände, die Note aufzusetzen; nach einigem
Sträuben mußte ich mich dazu entschließen, das Schreiberhandwerk
selbst zu versehen.
Nun ergab sich folgendes Bild: Ich saß am Schreibtisch im
Adjutantenzimmer, die Herren standen um mich herum. Ich las
einen Satz aus der Note vor und entwarf eine Antwort, die wieder
verlesen wurde. Darauf setzte die Kritik von rechts und von links
ein. Dem einen war es zu entgegenkommend, dem andern zu
schroff; es wurde gemodelt, umgegossen, verbessert und gedrechselt.
Besonders der Kanzler mit seiner philosophisch prüfenden, tief forschenden
Gründlichkeit, die jedes Wort auf die Goldwage legte, damit
es von allen Seiten beleuchtet nachher niemandem einen Anlaß
zur Kritik bieten könnte, bereitete mir manche grammatikalische und
*) „Das ist ja persönliche Politik in höchster Potenz!“
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