Metadata: Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

mal freilich überwuchernden Phantasie gespeisten Besitzes. 
Dazu ist er nach seiner ganzen Anlage und ethisch-reli— 
giösen Ausrichkung völlig ohne Falsch, er würde Hein- 
lichkeit, Berstellung, Unaufrichtigkeit für verächtlich und 
lief unker seiner Würde halken. Der Gedanke, der Kaiser 
hätte je ein Ziel durch wissenklich falsche Vorspiegelung 
oder auf krummen Wegen erreichen wollen, ist mir gar 
nicht vorstellbar. 
Mag allerdings sein, daß bei all diesem sich rückhalk- 
los und ohne Vorbehalk Offenbaren der jedem reinlichen 
Menschen innewohnende Drang nach Offenheik seine 
stärkste Stütze sand in einer den Kaiser sichtlich beherr- 
schenden Überschätzung der augenblicklichen perfönlichen 
Wirkung. Er glaubk, im persönlichen Gedankenauskausch 
seiner Siege im Anlauf sicher zu sein und der kleinen 
Mittel langer Vorbereilung und Belagerung ebenso- 
wenig zu bedürfen wie der Kniffe und Pfiffe diploma- 
kischer Workfechker. Ich habe kaufendmal beobachkek, 
daß die von seiner Person ausgehende Wirkung in der 
Tak groß ist und daß auch Männer von sonst durch- 
aus selbständiger Form dem bisweilen geradezu fatzi- 
nierenden Einflusse meines Vakers leicht versielen. Viel- 
leicht nur vorübergehend. 
Immerhin haben aber solche von Jugend an erlebte 
Erfolge und mehr noch die daran anschließenden Be- 
wunderungsbezeugungen und Schmeichelreden gefälliger 
Freunde oder Hofleute seinen Blick für die Zweck- 
mäßigkeit dieser Hingabe aller letzten inneren Re- 
serven ebenso wie seine Einsicht darein gekrübk, daß 
der einzelne — und wäre er ein Kaiser und eine noch 
so stürmisch wollende Persfönlichkeik — am Ende leicht 
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