Versagen der Verwaltung. 259
lage gegangen. An dieser unumstößlichen Feststellung sollte nicht ge—
rüttelt werden; dann wird auch das Urteil über die Maßnahmen der
O. H. L. im Osten anders ausfallen.
Man mißbilligt den Einmarsch in die Ukraine unter anderem
auch mit der Begründung, daß unsere österreichischen Bundesgenossen
uns einen Teil der Verpflegung wegnahmen. Sie nahmen uns diesen
Teil nicht weg, sondern er gehörte ihnen, und dieser Teil hat SÖsterreich
den Sommer über neben Zuschüssen aus Deutschland und
Ungarn vor dem tatsächlichen Verhungern gerettet. Wenn schließlich
in ÖOsterreich sehr üble Schiebungen mit ukrainischem Getreide
vorgekommen sind, so ändert dies an vorstehender Tatsache nichts.
Österreich versuchte, sich das Getreide auf kriegsmäßige Art zu
holen, da seine Verwaltungsmaßnahmen versagten. Die Bauern
wollten für die festgesetzten Höchstpreise ihre Vorräte nicht abgeben.
Prinz Windischgrätz sagt: „Wir hatten kein Geld, wir hatten
keine Nahrungsmittel, wir hatten kein Verständnis für Zusammenwirken.“
Wir fanden ebenfalls nicht den richtigen Weg'). Die Hoffnung,
die militärischen Nachteile der Besetzung der Ukraine dadurch
wenigstens in etwas auszugleichen, daß wir durch die Verpflegungszufuhr
von dort den ganz ungenügenden Verpflegungsanteil für
den Kopf der Bevölkerung in der Heimat und damit den Volksgeist
heben und den Neutralen das gleiche bieten konnten wie die Entente,
sollte sich nicht erfüllen. Die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine
kam erst in Fluß, als wir gezwungen waren, das Land aufzugeben.
Die Verwaltung hatte vollständig versagt. Die Einsetzung
einer einfachen militärischen Kommandogewalt, die alle Befugnisse
gegenüber der schwachen Landesregierung in sich vereinigte
und uns aus der Ukraine, wie es durchaus möglich
war, das verschaffte, was wir brauchten, verstieß gegen den
Geist der Demokratie, der damals schon über ganz Deutschland lag
und auch in Kiew — selbst im deutschen Heeresgruppenkommando —
*) Siehe Abschnitt VI B.