Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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„Lapt  und  ein  einig  Wolf  fein!  wer  will  und  dann  widerftehen?”  md
fie  jchloffen  einen  Bund  und  nannten  fi  alle  zufammen  Alemannen.
Alsbald  überftiegen  fie  fühn  Die  Teufelgmauer*),  brachen  Die  ftolzen
  Burgen  der  Römer  und  machten  ji  auf  ihren  Streifzügen  benjelben
  furchtbar.

Nicht  viel  Tpäter  erhoben  fi  die  deutfchen  Stämme  am  Nieberrhein,
  unter  Diejen  Die  friegserfahrenen  Chatten  ober  Heffen.  Die
machten  auch  ein  Bünbnig  und  hießen  fi  Franken;  denn  fie  wollten
franf  und  freie  Leute  fein,  und  waren  ein  gar  fühnes  Wolf.  Weiter
norbwärt3  aber  bi8  an  die  Küften.der  Norbfee  und  Der  Elbe  verbanden
  fih  die  Zriejfen  und  Cherußfer  und  viele  andere,  und  nannten
ih  Sachen;  diefe  waren  fühne  Seefahrer  und  nahmen  den  Römern
Sand  und  Schiffe  an  der  Küfte  weg.  Don  der  Küfte  der  Oftfee
bi8  an  das  jehwarze  Meer  wurde  ber  Bund  der  Gothen  gewaltig,
und  verbrängte  Die  Römer  vom  Iehwarzen  Meere  und  der  Donau.

5.  Chlodwig‘,  der  Gründer  des  Franfenreiches.

Einer  der  Fraitfenkönige,  Chlodwig,  hatte  fich  einen  bedeutenden
Theil  des  Landes  erobert,  welches  damald  Gallien  hieß  und  feitdem
Tranfreich-  genannt  wird.  Bald  Darauf  gerieth  er  in  Krieg  mit  den
Alemannen,  und  Dieje  zogen  mit  gewaltiger  Heeresmacht  wider  ihn  zu
Felde.  Ber  Zülpich,  unweit  Bonn,  geihah  eine  große  Schlacht,
496  n.  Chr.  Schon  wichen  die  Franken.  Chlodwig  aber,  bi8  dahin
ein  verftodter  Heide,  dem  feine  chriftliche  Gemahlin  Chlotilde  oft  zugeredet,
  daß  er  fich  von  der  Abgötterei  zu  dem  wahren  Gotte  hefehren
  möchte,  aber  immer  vergebens,  fehrie  in  Diefer  Noth  zu  dem
Heren,  erhob  die  Hände  gen  Himmel  und  flehte:  „Sejus  Chriftus,
den  Chlotilde  den  Sohn  bed  Iebendigen  Gottes  nennt,  wenn  du  jo
mächtig  bift,  wie  Die  Chriften  jagen,  jo  verleihe  mir  den  Sieg,  und
ih  will  an  dic)  glauben  und  mich  taufen  laffen!”  Und  fiehe,  alebald
  fiel  einer  der  feindlichen  Führer,  und  Die  Yeinde  gelobten,  fich
ihm  zu  unterwerfen.  Und  er  hielt  Wort,  und  ließ  ich  mit  vielen
feiner  Großen  taufen,  und  ihnen  folgte  Das  ganze  Volf  der  Franken.
Leider  ift  feine  Befehrung  nur  eine  Außerliche  gebfieben,  objchon  ber
Papft  ihn  den  allerhriftlichften  König  nannte;  denn  er.  zeigte  fich
jtet8  Hinterliftig,  ungerecht  und  graufem.  Die  andern  Frankenfönige,
die  ihm  Doch  mit  zu  feiner  Macht  verholfen  Hatten,  brachte  er  um,
damit  er  Alles  allein  befäße.  Sein  Reich  aber  breitete  er  aus  bis
nach  Spanien  Hin,  und  jeine  Nachfolger  fügten  den  größten  heil
vorn  Deutjchland  Hinzu,  jo  daß  das  Franfenreich  das  mächtigfte  in
ber  Chrijtenheit  wurde.  Die  weltlichen  Sranfen  vermijchten  fich  mit
Römern  und  Galliern,  und  aus  diefer  Vermifchung  ift  allmähligdie
Nation  der  Srangofen  entitanden.

*)  So  nennt  man  die  no)  vorhandenen  Spuren  von  Wällen  und  ®räben,  weldhe  bie  Rö«
mer  nach  der  Hermannsfchlaht  von  der  AltmühHl  in  Bayern  an,  öftlih  am  Obenmwalb  vorbei
unb  vor  dem  Taunus  burh  zum.Siebengebirge  and  rehte  Mheinufer  gezogen  Hatten,
um  bem  weitern  Vorbeingen  ber  Deutfohen  fih  Hinter  Verjhanagungen  entgegen  zu  flellen.