Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

69.  1611  159

davon  überrascht  und  halte  diese  Massregel  nicht  für  zeitgemäss.  Februar
E.  Exz.  werden  aber  darüber  besser  zu  urteilen  wissen,  die  Sie  die  2°
Absichten  der  Passauer  genauer  kennen  werden  als  wir  hier,  die  wir
sehr  schlecht  darüber  unterrichtet  sind.  König  Matthias  hat  uns
dieser  Tage  durch  seinen  Rat  Wolfgang  Nikolaus  von  Grünthal  um
Hilfe  mit  Volk  oder  Geld  angehen  lassen.!  Die  Antwort  wurde  auf

den  Unionstag  verschoben,  wo  man  seine  Werbung  mit  den  andern
Unierten  beraten  will;  ebenso  wird  man  mit  dem  entsprechenden
Begehren  der  österreichischen  Stände  tun.  Diese  berichten  heute  dem
Administrator,  dass  sie  die  Rückkehr  des  mailändischen  Kriegsvolks
besorgen,  der  Herzog  von  Baiern  habe  seine  Untertanen  schon  davor
warnen  lassen.  Grünthal  hat  mich  auch  versichert,  er  wisse  für
bestimmt,  dass  der  König  von  Spanien  an  verschiedenen  Orten  Deutschlands
  150  000  Thaler  deponiert  habe,  um  die  zu  unterstützen,

die  im  Frühjahr  den  Krieg  in  Deutschland  anfangen  wollen,  besonders
  den  Erzherzog  Leopold.  Er  verhehlt  auch  nicht,  dass
Matthias  mit  Leopold  sehr  schlecht  steht,  von  dem  er  Durchkreuzung
seiner  Absichten  besorgt.

Der  Administrator  wird  dieser  Tage  Lautern  an  Kurmainz
schicken,”  um  dessen  Meinung  wegen  der  böhmischen  Dinge  zu  erkunden
  „et  l’on  a  quaut  et  quant  sonde  par  lettres  sur  le  subject
secret,  que  V.  Exc.  scait?  et  dont  Elle  a  faict  nagueres  mention
dans  Sa  lettre  a  moi  et  ainsi  l’oblige  a  respondre  par  escript,  ne
pouvant  rien  discourir  sur  cela  avec  Lautern,  qui  n’en  scait  rien  de
tout  cela.“  Ich  hoffe,  dass  man  auf  diese  Weise  erkennen  wird,
ob  Mainz  und  seine  geistlichen  Mitkurfürsten  inzwischen  ihre  Meinung
geändert  haben.  De  Heidelberg  ce  18.  februarii  1611.  —  Praes.
Zossen  25.  feb.  1611.

Nachschrift.  Auf  besonderen  Befehl  der  Kurfürstin  berichte
ich  E.  Exz.,  dass  dieser  Tage  der  Administrator  durch  mich  hat  bei
ihr  sondieren  lassen,  ob  er  die  Hand  des  ältesten  Fräuleins  von  der
Pfalz!  erhalten  könnte;  die  Kurfürstin  will  nicht  gleich  antworten
und  schützt  das  jugendliche  Alter  der  Prinzessin  vor;  sie  will  zuvor
Ihre  Meinung  darüber  hören  und  zwar  sobald  als  möglich,  damit
der  Administrator  durch  den  Verzug  nicht  verletzt  werde.  Niemand
sonst  weiss  von  der  Sache.  Ce  13.  febvrier  1611.

Bbg-,  A.  9a.  n.  82.  f.  86;  Or,  eigh.  mit  Ziffern.

!  Bescheid  Grüntbals  vom  17.  Februar  in  Nbg.,  Unionsakten,  Bd.  4T,
f.  212;  Kop.  Vgl.  oben  no.  25,  8.  63,  Annı.  2,

:  Wegen  der  Instruktion  für  Engelbert  von  Lautern  vom  8./18.  Februar
vgl.  oben  no.  64,  8.  148,  Anm.  2  und  unten  no.  70.

®  Die  Successionssache:  vgl.  oben  no.  64  und  unter  no.  70.

*  Louise  Juliane  von  der  Pfalz;  die  Verlobung  fand  erst  am  15.  September
  1611  statt;  vgl.  Ch.  Häutle,  Genealogie  des  Stammhauses  Wittelsbach,
  München  1870,  8  188.