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davon überrascht und halte diese Massregel nicht für zeitgemäss. Februar
E. Exz. werden aber darüber besser zu urteilen wissen, die Sie die 2°
Absichten der Passauer genauer kennen werden als wir hier, die wir
sehr schlecht darüber unterrichtet sind. König Matthias hat uns
dieser Tage durch seinen Rat Wolfgang Nikolaus von Grünthal um
Hilfe mit Volk oder Geld angehen lassen.! Die Antwort wurde auf
den Unionstag verschoben, wo man seine Werbung mit den andern
Unierten beraten will; ebenso wird man mit dem entsprechenden
Begehren der österreichischen Stände tun. Diese berichten heute dem
Administrator, dass sie die Rückkehr des mailändischen Kriegsvolks
besorgen, der Herzog von Baiern habe seine Untertanen schon davor
warnen lassen. Grünthal hat mich auch versichert, er wisse für
bestimmt, dass der König von Spanien an verschiedenen Orten Deutschlands
150 000 Thaler deponiert habe, um die zu unterstützen,
die im Frühjahr den Krieg in Deutschland anfangen wollen, besonders
den Erzherzog Leopold. Er verhehlt auch nicht, dass
Matthias mit Leopold sehr schlecht steht, von dem er Durchkreuzung
seiner Absichten besorgt.
Der Administrator wird dieser Tage Lautern an Kurmainz
schicken,” um dessen Meinung wegen der böhmischen Dinge zu erkunden
„et l’on a quaut et quant sonde par lettres sur le subject
secret, que V. Exc. scait? et dont Elle a faict nagueres mention
dans Sa lettre a moi et ainsi l’oblige a respondre par escript, ne
pouvant rien discourir sur cela avec Lautern, qui n’en scait rien de
tout cela.“ Ich hoffe, dass man auf diese Weise erkennen wird,
ob Mainz und seine geistlichen Mitkurfürsten inzwischen ihre Meinung
geändert haben. De Heidelberg ce 18. februarii 1611. — Praes.
Zossen 25. feb. 1611.
Nachschrift. Auf besonderen Befehl der Kurfürstin berichte
ich E. Exz., dass dieser Tage der Administrator durch mich hat bei
ihr sondieren lassen, ob er die Hand des ältesten Fräuleins von der
Pfalz! erhalten könnte; die Kurfürstin will nicht gleich antworten
und schützt das jugendliche Alter der Prinzessin vor; sie will zuvor
Ihre Meinung darüber hören und zwar sobald als möglich, damit
der Administrator durch den Verzug nicht verletzt werde. Niemand
sonst weiss von der Sache. Ce 13. febvrier 1611.
Bbg-, A. 9a. n. 82. f. 86; Or, eigh. mit Ziffern.
! Bescheid Grüntbals vom 17. Februar in Nbg., Unionsakten, Bd. 4T,
f. 212; Kop. Vgl. oben no. 25, 8. 63, Annı. 2,
: Wegen der Instruktion für Engelbert von Lautern vom 8./18. Februar
vgl. oben no. 64, 8. 148, Anm. 2 und unten no. 70.
® Die Successionssache: vgl. oben no. 64 und unter no. 70.
* Louise Juliane von der Pfalz; die Verlobung fand erst am 15. September
1611 statt; vgl. Ch. Häutle, Genealogie des Stammhauses Wittelsbach,
München 1870, 8 188.