Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

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Einleitung.

Und  die  mutige  That  trug  ihren  Lohn  nicht  bloß  in  sich
selbsi.  Wenn  das  Wort  von  dem  Oistoriker  als  rückwärte  gemandtem
  Propheten  je  bemabrheitet  wurde,  so  war  das  Droysen
mit  diesem  Werke  beschieden,  das  mehr  als  auf  die  Vergangenheit
  auf  (GGegenwart  und  Zukunft  gerichtet  war.  Seinen  Fortgang
  begleitete  die  fortschreitende  Erhebung  Preußens:  in  der
neuen  Aera  besann  es  sich  auf  seinen  deutschen  Beruf,  in  heißem
inneren  Kampfe  schmiedete  es  während  der  Koufliktszeit  die
Waffen,  deren  es  zu  seiner  Erfüllung  bedurfte,  und  gelangte
1866  und  1870  in  schnellem  Siegeslauf  an  das  noch  so
fern  scheinende  Ziel.  Demgegenüber  ist  es  zu  bedauern,  daß
Droysens  Werk,  das  anfangs  so  kuapp  und  sachlich  und  daher
rasch  und  eindrucksvoll  vorwärts  schritt,  durch  die  Masse  des
zuströmenden  Materials  zu  Dimensionen  anmuchs,  die  seine
Wirkung  auf  weitere  Kreise  beeinträchtigten,  da  so  der  leitende
Gedanke,  den  es  durchführen  wollte,  allmählich  völlig  in  den
Hintergrund  trat.  So  kranft  die  unvollendet  gebliebene  Geschichte
  der  preußischen  Politik  an  einem  gewissen  Widerspruch
zwischen  der  Aktualität  und  praktisch  politischen  Tendenz  ihres
Anfangs  und  ihrem  breit  in  die  Masse  der  Einzelheiten  auslaufenden
  Fortgang.

Ob  aber  Droysen,  wäre  es  ihm  vergönnt  gewesen,  sein
Werk,  wenn  auch  nur  in  großen  Zügen  andentend,  bis  auf
den  Abschluß  der  Jahre  1866  und  1870  zu  führen,  in  jenen
triumphierenden  Ton  eingestimmt  hätte,  den  wir  so  oft  von
denen  anschlagen  hören,  die  in  all  dem  Großen  und  Herrlichen
jener  Jahre  nichts  sehen  wollen  als  den  vom  Schicksal  längst
gewollten,  gleichsam  naturnotwendigen  Aueêgang  einer  Entwickelung
  von  Zahrhunderten?"  Gewiß  nicht!  Denn  auch  als
er  es  unternahm,  den  von  ihm  in  schwerer  Zeit  vertretenen
politischen  Standpunkt  historisch  nicht  bloß  als  berechtigt,
sondern  als  denjenigen  zu  erweisen,  den  die  Logik  der  Geschichte
  als  den  für  Deutschland  gebotenen  ergibt,  übte  er  doch,
durch  kein  Parteidogma  befangen,  an  der  Vergangenheit  des
Staates,  der  ihm  zu  dem  Größten  berufen  war,  und  an  den
Männern,  in  deren  Hände  sie  gelegt  gewesen  war,  politisch
und  moralisch  eine  unnachsichtige  Kritik.  Denn  nicht  bloß