Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

II.  Die  Mart  Vrandenburg.  137

Erscheinen  siellte  die  Ordunng  vollends  her.  Am  21.  Oktober
empfing  Friedrich  in  Berlin  die  Huldigung  der  Stände  gegen
Bestäligung  ihrer  Rechte  und  Freiheiten.  Und  so  sicher  fühlte
er  sich  bereits  in  seiner  neuen  Stellung,  daß  er  sie  alsbald  zur
(Grundlage  weiterer  Entwürfe  machte.  Damit  aber  änderte  sich
sein  Verhältnis  zu  Siegmund,  auf  dem  doch  alles  beruhte,  was
er  bisher  erreicht  hatte.  Wie  leicht  konnten  die  Pflichten  eines
kaiserlichen  Ministers  mit  den  fürstlichen  Interessen  kollidieren!
Und  war  von  ihm  zu  verlangen,  daß  er  die  Zukunft  seines
Hauses  dem  Vorteil  der  Luremburger  opferte?  Daran  hinderte
ihn  schon  die  ernste  Auffassung  seiner  Herrscherpflichten.  Land
und  Leute  waren  ihm  von  Gott  anvertrant,  und  für  sie
zu  sorgen  mit  Hintansetzung  jeder  persönlichen  Neigung  und
jeder  anderen  Verpflichtung  war  ihm  ein  religiöses  Gebot.
Freilich  hat  er  nicht  vergessen,  was  er  Siegmund  schuldete.
Aber  einmal  waren  die  Verhältnisse  stärker  als  er,  und  dann
beschleunigte  Siegmund  den  Konflikt  durch  die  übermäßigen
Ansprüche,  die  er  an  seine  Dankbarkeit  stellte.

Wie  heute  in  der  Ueberlieferung,  so  wird  es  damals  im
Verlauf  einer  verwickelten  diplomatischen  Aktion  nicht  leicht
gewesen  sein,  in  Friedrichs  I.  Anteil  daran  das  reichsfürstliche
Handeln  von  dem  des  ersten  kaiserlichen  Rats  zu  sondern.  In
beiden  Eigenschaften  handelte  er,  wenn  er  sich  des  Deutschen
Ordens  annahm  und  selbst  nach  Marienburg  ritt,  um  den
Meister  zur  Annahme  der  Bedingungen  zu  vermögen,  von  denen
Siegmund  die  Hilfe  gegen  Polen  abhängig  machte.  Doch  gelang
  ihm  das  so  wenig  wie  die  Vermittelung  eines  Stillstandes
zwischen  dem  Orden  und  dem  Polen  verbündeten  Herzog  Bogislaw
  von  Pommern-Stolp.  Seinen  eigenen  Streit  mit  den
Herzögen  von  Stettin,  die  auf  seine  Klage  wegen  Einbehaltung
der  uckermärkischen  Gebiete  die  Reichsacht  getroffen  hatte,  erledigte
  ein  Vergleich,  der  ihm  die  entfremdeten  Lande  zurückgab.
  Mit  dem  Herzog  von  Mecklenburg  verständigte  er  sich  über
die  unklare  lehensrechtliche  Stellung  der  Herren  von  Werla.  Die
Bündnisse  mit  dem  Herzog  von  Braunschweig-Lüneburg  und  dem
Erzbischof  von  Magdeburg  erweiterte  er.  Aber  schon  schweiften
seine  Gedanken  in  die  Ferne.  Der  Plan  eines  um  die  Mark