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Namaland zu. Betrachtet man aber nunmehr die heutige Lage der Unterworfenen,
so wird der unbefangene Beobachter nur zu dem Urteil gelangen können, daß die
Lage der Eingeborenen unter der Einwirkung einer gerechten und straffen deut-
schen Regierung eine weitaus günstigere geworden ist, als wie sie es in den früheren
Jahren zügelloser Fehden war. Hente wird die Sicherheit des Lebens und des
Besitzes eines jeden Eingeborenen von der deutschen Regierung ebenso garantiert
wie die des weißen Mannes, und dieser Umstand hat dem wirtschaftlichen Erstarken
und Emporblühen der eingeborenen Völker des Schutzgebiets erst die feste und
friedvolle Grundlage gegeben. Unwahr ist es, wenn in verschiedenen, nicht gerade
kolonialfreundlichen deutschen Zeitungen behauptet wurde, daß die Lage der Ein-
geborenen in Südwestafrika und besonders die der bei den Weißen im Dienst
stehenden eingeborenen Arbeiter eine schlechte sei und daß sie der Sklaverei gleich-
käme. Wahr ist vielmehr, daß sich in allen Landesteilen ein wirtschaftliches
Erstarken der Eingeborenen feststellen läßt.
Wir aber haben die Pflicht, darauf zu achten, daß dieser friedliche Zustand
nicht aufs neue durch das Emporflackern des alten zügellosen Geistes der Ein-
geborenen gestört werde. Deshalb ist es im Interesse einer weiteren friedlichen
Entwicklung des Landes unsere unabweisbare Pflicht, die Machtmittel
des Schutzgebiets — die Schutztruppe — in einer Stärke zu erhalten,
die sie zur Erfüllung ihrer schwierigen Aufgaben befähigt.
Die Wirtschaft des Schutzgebiets und ihre Zukunft.
Als die Deutschen im Jahre 1884 von Südwestafrika Besitz ergriffen, mußten
sie ihr Augenmerk zunächst darauf richten, den Wert des Landes auf Grund der
von den Eingeborenen betriebenen Wirtschaft zu ergründen. Klar war von vorn-
herein, daß die neuerworbene Kolonie sich hervorragend zur Viehzucht eignen
mußte — das bewiesen allein schon die großen Herden von Rindern, Schafen
und Ziegen, die von den Eingeborenen auf den Weideflächen des Landes gehalten
wurden. Überragte im Namalande die Zucht des Fettschwanzschafes und der
Afrikanerziege die des Rindes, so gipfelte die Wirtschaft der Herero im Halten
ungeheuerer Herden von Großvieh. Zu jenen Zeiten lebten neben den Missionaren
nur wenige Weiße im Lande, die sich zunächst als Händler und Jäger betätigten.
Die Länder im Süden unseres Schutzgebiets waren damals in starkem Ausschwung
begriffen, die Zahl der Weißen mehrte sich dauernd, und große Betriebe wurden
eröffnet, durch die der Bedarf an frischem Fleisch eine stets steigende Richtung
zeigte. So hatte sich ein lebhafter Handelsverkehr zwischen dem viehreichen
Damaralande und den Ländern südlich des Oranje entwickelt. Weiße Händler
durchzogen das Land, kauften, besonders von den Herero, tausende von Ochsen
auf und zogen mit diesen nach Süden. Dieser Verkehr nahm erst ein Ende, als im
Süden Afrikas gleichfalls viehreiche Gebiete nen erschlossen wurden.
Die ersten Deutschen, die nach der Besitzergreifung des Landes als Farmer
und Ansiedler in das Land kamen, paßten sich in der Art der von ihnen be-
triebenen Viehzucht ganz der von den Eingeborenen geübten an. Aber mit der
fortschreitenden Besiedlung machte sich bald das Bedürfnis und der Wunsch nach
einer Verbesserung der Zuchten bemerkbar. Im Laufe der Jahre zeigte es sich
dann, daß das Vieh der Eingeborenen, das als reines „Steppenvieh“ ganz auf
den Weidegang angewiesen und natürlicherweise minderwertiger als das hoch-
gezüchtete zahme europäische Vich war, sich durch die Kreuzung mit enropäischen
Rassen bedeutend verbessern ließe. Als man sich nach langjährigen Versuchen
von den guten Ergebnissen der Kreuzungen überzeugt hatte, war man einen
starken Schritt in der Entwicklung des Landes vorwärts gekommen. Und hente
ist die Zukunft der südwestafrikanischen Viehzucht durch die Erkenntnis gesichert,
daß die Steppenweiden des Landes auch ür höher gezüchtetes, edlercs Vieh voll-