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beschaffen zu können, sondern auch klimatische Einflüsse, vor allem die in den
Hochländern nicht selten eintretenden scharfen Nachtfröste, und endlich Schäd-
linge verschiedenster Art aus der Tierwelt. In Südwestafrika sind es beson-
ders große Heuschreckenschwärme, Springhasen und Springmäuse, welche die Gärten
bedrohen und die jungen eben aufsprießenden Schößlinge vernichten. Der An-
siedler kanu sich also nicht sorglos seines Besitzes erfreuen, sondern er muß
vorsichtig auf der Hut sein und oft schwer arbeiten, um die Zukunft seiner An-
lagen zu sichern.
Trotzdem aber ist im ganzen Schutzgebiet ein starkes Aufblühen des Garten-
baues zu beobachten. Hier und dort findet man bereits Musteranlagen, auf denen
in emsiger Arbeit Großes geschaffen worden ist. Besonders in den nördlichen.
Distrikten und im mittleren Lande; im Süden vor allem längs des Laufes des
großen Fischslusses. Auch der Ackerban dehn“ sich immer weiter aus. Hier ist
eine ganz neue Wissenschaft entstanden, die des „Trockenfarmens“, dessen System
darauf beruht, dem Boden die Feuchtigkeit durch ein besonderes Bearbeiten auf
längere Zeit zu erhalten. Diese Wissenschaft hat bereits große Erfolge er-
rungen und breitet sich immer mehr aus. Wenn die bisherigen Erfolge fort-
dauern, läßt sich Großes von ihr erhoffen. Es würden dann auch Gegenden, in
denen die Regen nur unregelmäßig sallen, zum Ackerbau herangezogen werden
können — eine Aussicht, die eine bisher ungeahnte Entwicklung der Steppen-
länder in sich birgt! Hervorzuheben ist endlich die bedeutende forstwirtschaftliche
Arbeit, die in den letzten Jahren von der Regierung geleistet worden ist. Im
ganzen wurden bisher sechs Forstgärten eingerichtet, von denen einer — der in
Ukuib — bereits Ende des Jahres 1911 einen Bestand von 4400 Dattelpalmen
hatte. In diesen Gärten werden besonders diejenigen ausländischen Baum-
arten gezogen, deren Anban im Lande bereits als erprobt gelten kann, vor
allem Enkalypten, Kasuarinen, Pfefferbäume und Prosopis. Nach den amtlichen
Jahresberichten gaben die gesamten Forstgärten fast 60000 junge Bäumchen an
Private gegen geringe Entschädigung ab. 1
Die Größe der reinen Viehzuchtfarmen richtet sich nach der Hochwertigkeit
des in ihnen enthaltenen Weidelandes. Da in den südlicheren und östlichen
Teilen des Namalandes die Weideflächen auf weiten Strecken von Unland unter-
brochen werden, sind hier zur Aufzucht einer bestimmten Zahl von Tieren be-
deutend größere Areale notwendig, als wie bei gleicher Tierzahl in den nordwest-
lichen Teilen des Namalandes, im Bastard= und im Hererolande. Die Mindestdurch-
schnittsgrößen der Farmen für rentable Viehzuchtbetriebe werden etwa wie folgt zu
bemessen sein: in schlechteren Teilen des Namalandes 20000 ha, in den besseren
sowie im Bastard= und Hererolande 10000 ha. Nur dort, wo besonders günstige
Weideverhältnisse vorliegen, und dort, wo gemischte Nutzung der Farmen (neben
Viehzucht auch Ackerbau) in Frage kommt, rechtsertigt sich ein Heruntergehen
unter die genaunten Durchschnittszahlen. In diesem Fall dürfte der Durch-
schnitt auf 6000, in den allerbesten Teilen auf 5000 ha sinken können.
Am besten gewährleistet ist zurzeit die Renutabilität der Pferde= und der
Straußenfarmen. Die der ersteren vor allem durch den starken Bedarf der
Schutztruppe, die der letzteren, weil der Absatz der Straußensedern auf dem
Weltmarkt keine Schwierigkeiten bietet. In bedingterem Maße kann das auch
für die Wollschafzucht gelten, die bisher vielfach durch Senchen gelitten und das
Stadium der Versuche noch nicht ganz überwunden hat. Schwer bedroht sind da-
gegen angenblicklich noch die Zuchten, die sich auf die Produktion von Fleisch,
vor allem von Rindern, richten, und zwar allein durch das Fehlen genügenden
Absatzes. Die Lage ist hier besonders schwierig, weil einerseits im Verhältnis zum
Bedarfs des Schutzgebiets schon Uberproduktion eingetreten ist, während die Zuchten
für den Export, für den Absatz der Produktion auf dem Weltmarkt, noch nicht