Full text: Deutschland als Kolonialmacht.

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würden. Aber gerade in neuerer Zeit haben eine Anzahl weiterer Entdeckungen 
ergeben, daß der Reichtum des Landes an abbanwürdigen Kupferfundstellen doch 
weit größer sein dürfte, als man früher annahm. So tritt neuerdings eine 
zweite Mine, die der Firma Heckmann am Khanfluß, in den Abbau ein, und im 
mittleren Damaralande sowohl wie im südwestlichen Namalande werden Aufschluß— 
arbeiten auf größeren Vorkommen ansgeführt. 
Neben dem Kupfer nimmt Zinn das größte Interesse in Anspruch. Dic bis- 
her bekannten Fundstellen liegen in weitem Umkreise um das Erongomassiv und 
dehnen sich ziemlich gleichmäßig nach allen Himmelsrichtungen hin aus. Ob die 
Vorkommen für den Abbau im Großbetriebe genügend reichhaltig sein werden, ist 
noch ungewiß. 
Neben den genannten drei Hauptmineralien ist noch Silber, Blei und 
Wolfram zu erwähnen. Für sie sind die über das Zinn gemachten Angaben 
gleichfalls zutreffend. Auch Gold ist an einigen Stellen gefunden worden, bis- 
her jedoch nicht in abbauwürdiger Menge. 
Endlich sind im Kaokofelde große Lager hochprozentiger Eisenerze festgestellt 
worden, zu deren Erschließung jedoch zunächst der Bau einer Eisenbahn not- 
wendig werden würde. 
Daß auf Grund der bisherigen Entwicklung dem Bergbau noch eine weitere 
große Ausdehnung prophezeit werden kann, dürsen wir mit Sicherheit annehmen. 
Erinnert mag daran werden, daß die ersten in den Jahren 1884 bis 1894 im 
Schutzgebiet tätigen bergmännischen Sachverständigen eine Entwicklung des Berg- 
baues für ausgeschlossen hielten. Das Schutzgebiet war damals in den Ruf ge- 
kommen, überhaupt keine nutzbaren Mineralien aufzuweisen. Nur einer jener 
Sachverständigen, der Bergwerksdirektor Fleck, hat das ausgesprochen, was nach- 
her in der Tat eingetreten ist und was auch für die Zukunft des Bergbaues maß- 
gebend sein dürfte — nämlich daß, wenn das Schutzgebiet auch zunächst nicht reich 
an Mineralien erscheine, doch mit der wachsenden Befiedlung und der zunehmenden 
Einwanderung Weißer der Zufall oft der Finder wertvoller Vorkommen sein könne. 
Neben den Produkten der Viehzucht, des Acker= und Gartenbanes und des 
Bergbaues, die als Hauptwerte der Produktion des Schutzgebietes zu bezeichnen 
sind, kommen als Nebenwerte noch in Frage die Jagd, die Küstenfischerei und der 
Walfang. Daß der Bestand an afrikanischem Großwild, der schon seit Mitte des ver- 
flossenen Jahrhunderts in starkem Rückgang begriffen war, durch die zunehmende 
Besiedlung des Landes immer mehr abgenommen hat, ist erklärlich. Noch vor 
hundert Jahren haben neben Elefanten, Rhinozerossen, Giraffen und Büffeln noch 
die Löwen weite Teile des Schutzgebiets durchstreift. Durch die jeder vernunfts- 
gemäßen Ausnutzung des so überaus wertvollen Großwildbestandes hohnsprechende 
Jagdausübung weißer Jäger ist das wertvollste Wild schon in den sechziger Jahren 
des vergangenen Jahrhunderts dezimiert, ja in großen Landesteilen ausgerottet 
oder aus ihnen vertrieben worden. Elesanten und Rhinozerosse finden sich heute 
nur noch im hohen Norden — und wenn das Ranbwild, besonders Leoparden, 
Geparden, „wilde Hunde“ (canus pictus), Hyänen und Schakale, auch noch vielfach 
im ganzen Schutzgebiet anzutresfen ist, so ist doch der Löwe selten geworden und 
kommt südlich der Linie Swakopmund—Gobabis kaum noch vor. Dagegen ist der 
Reichtum des Landes an jagdbaren Antilopenarten doch noch ein bedentender. Wir 
können sie hier, nach der Größe geordnet, nur kurz anführen. Es sind: das Eland, 
das Wildebeest oder Gunu, die Kudn-Antilope, der „Gemsbock“ (oryX gazella), 
der Bastardgemsbock und das Hartebeest, denen sich als kleinere Arten der Spring- 
bock, der Steinbock, der Klippbock und der Duiker angliedern. Wildschweine kommen 
nur im Norden vor, Hasen im ganzen Schutzgebiet. Weitverbreitet ist auch noch das 
Zebra. Uberaus reichhaltig an Arten ist das Federwild. Sein mächtigster Ver- 
treter ist der Strauß und neben ihm eine NRiesentrappe, der „Pau“ der Afri-
	        
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