Die Flora hat ausgesprochenen indomalaüschen Charatter und ist derjenigen der
nördlichen Gebiete des Bismarckarchipels recht ähnlich. Die besonders auf den östlichen
Karolinen vorhandenen großen Niederschläge (etwa 4000 min jährlich), welche sich
mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit auf das ganze Jahr verteilen, wenn auch ge-
legentlich regenärmere Monate vorkommen, haben eine außerordentliche Uppigkeit
des Pflanzenwuchses zur Folge. Die oft sumpfigen Küsten und die Ufer der Flüsse
sind mit Mangrovendickichten bestanden, welche bis weit hinaus in dem meist seichten
Wasser innerhalb der Riffe wachsen, so daß die Eingeborenen Gassen durch das Busch-
werk schlagen müssen, um mit ihren Kanns von der See her an ihre Dörfer gelangen
zu können. Diese Wasserstraßen, welche infolge des dichten Blätterdaches der Mangroven
nur spärlich vom Tageslicht erhellt sind, vereinigen sich ost zu einem wahren Labyrinth,
in dem sich nur der Ortskundige zurechtfindet. Es soll ja auch durch die vielen Ver-
zweigungen feindlichen Stämmen der Uberfall auf das Dorf von der Seeseite erschwert
werden. Hoher Urwald schließt sich an den Mangrovengürtel an, der durch dichtes
Unterholz und zahlreiche Schlinggewächse zu einem schwer durchdringbaren Ganzen
verwachsen ist. Auf den westlichen Inseln sind die Niederschläge durchweg geringer,
sie dürften hier zwischen 2000 und 3000 mm betragen, und ist die Uppigkeit der Flora
nicht ganz so überschwenglich, was sich aber eigentlich nur auf den hier und da weniger
fruchtbaren Böden zeigt, wie z. B. auf Jap und namentlich auch auf den Korallen=
inseln, deren Vegetation bei weitem nicht so reich ist als die auf den hohen Berginseln.
Die Kolkospalme zieht jedoch den Korallenboden vor, und so kommt es, daß der wirt-
schaftliche Nutzen der kleinen, niedrigen Inseln, zurzeit wenigstens, den der hohen Berg-
inseln übertrifft.
Die Fauna der Karolinen ist außerordentlich spärlich an Arten. Außer fliegenden
Hunden, Ratten und Mänusen gibt es keine einheimischen Säugetiere. An Landvögeln
dagegen sind ungefähr 80 Arten festgestellt. Von Eidechsen verdient besonders ein auf
den westlichen Inseln vorkommender über 1 m langer Legnan, der anf anderen Südsec-
inseln nicht angetroffen wird, Eiwähnung, und auf den Palauinseln ist das indische
Leistenkrokodil heimisch.
Die Eingeborenen der Karolinengruppe haben in der Hauptsache polhnesisches Blut,
das aber mit malalischem und teilweise auch mit xapuanischem duuchsetzt ist. Auf einigen
Inselu macht sich auch ein japanischer Einschlag geltend. Im Westen überwiegt die
branngelbe, im Osten die dunkelbraune Hantfarbe. Der hohe, aufrechte, kräftige poly-
nesische Körperbau findet sich bei den Eingeborenen einiger mehr abseits gelegener
Inseln noch ziemlich unversälscht vor, während allerdings besonders bei den Bewohnein
der Berginseln die geschmeidige Elastizität der Malaien die Oberhand gewonnen oder
richtiger wiedergewonnen hat, denn daß die Polynesier, ursprünglich von Südasien aus
dem malaiischen Völkergebiet ausgehend, nach Osten gewandert sind, ist mit ziemlicher
Sicherheit anzunehmen. Hierfür spricht weniger die körperliche Ahnlichkeit mit der
heutigen malafischen Bevölkerung, dic indessen von mongolischer Seite stark beeinflußt
ist, als vielmehr die von den Sundainseln bis nach Neuseeland und Hawal überall
wahrnehmbare Sprachverwandtschaft, wenn diese auch hier und da unter den Bei-
mischungen fremder Idiome nicht sogleich zu eikennen ist.
In kultureller Beziehung übemagen die Karoliner ihre südlichen Nachbarn be-
deutend. Menschenfraß ist, wenigstens zu den historisch bekannten Zeiten, auf den
Karolinen nicht mehr Sitte gewesen, obwohl ein Menschenleben auch hier nicht gerade
hoch bewertet wird. Uberfälle auf die Nachbarn, bei denen es hauptsächlich auf das
Heimbringen möglichst vieler Köpfe ankam, waren noch bis in die neueren Zeiten auf
manchen Inseln an der Tagesordnung. Jetzt ist den Karolinern dieser Sport von der
deutschen Negierung, die sich auf sast allen Inseln ohne Anwendung größerer Machtmittel
durchgesetzt hat, unterbunden.
Die Karoliner sind tüchtige Seesahrer, sind sie ja dech insolge der Eigenart ihres
so weit versprengten Insellandes mit ihrem Verkehr sast ganz auf das Meer angewiesen.
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