gruppenweise und dann, oft von stehengebliebenem Busch umgeben, aus dem Grasmeer
hervor. Solche mit Bosketts durchsetzte Grasflächen nennen wir eine, Parklandschaft.
Manchmal sind es Palmen, die der Steppe den Charakter geben, die gegabelte Dum-
palme oder die am oberen Drittel des Stammes spindelförmig verdickte Borassuspalme
mit ihrer schönen Blattkrone.
Steigen wir höher hinauf in die regenarmen Landschaften, so nimmt die Steppe
den Charakter des Trockenbusches an. Tagelang marschiert man durch grau in gran
gehaltene, dornige und wegen der Dichtigkeit des Aufwuchses undurchdringliche
Dornbüsche; je dichter der Busch, um so besser der Boden. Ist er kiesig oder grantig,
so stehen nur hier und da wunderliche Gewächse, denen man es ansieht, daß ihr Dasein
beruht auf der durch Anpassung erworbenen Fähigkeit Feuchtigkeit aufzuspeichern,
also möglichst wenig durch Ausatmung abzugeben. Da liegen mächtige, meterdicke
Globusse auf dem Boden, Akazien mit haarfeinen Fiederblättern zittern in der heißen
Luft und „der Elefant unter den Bäumen“, der Affenbrotbaum findet mit seinen
kompakten Massen auch hier sein Fortkommen.
Am charakteristischsten für Ostafrika ist das „Pori“ die „Obstgartensteppe"“, der
Miombowald. Wochenlang marschiert man in Unjamwesi oder zwischen Lindi und
Ssongea durch diesen unterholzlosen, eintönigen Akazienwald, der aber, wenn nach der
Regenzeit überall das junge Grün hervorsprießt und Millionen von Zikaden ihre
Liebeslieder zirpen, auch nicht des Reizes entbehrt. Der Miombowald klettert hoch an
den Bergzügen empor. Und nur auf den Höhen von etwa 2000 m löst ihn der eigent-
liche „Urwald“, der Regenwald ab. Er bedarf erheblicher Regenmengen, 1800 mm im
Jahre und mehr. In ihm ist es immer schattig und feucht, und gewaltige Baumriesen,
hier und da „Zedern“ genannte Juniperus, bilden ihn. Hier versperrt dichtes Unterholz
den Weg. Orchideen wachsen aus dem Humus und aus den Astwinkeln der Bäume,
und oft flattern lange grüngraue Bartflechten im Winde.
Bambusdickichte, deren Halme Arm= und Schenkeldicke erreichen, bilden oft den
Ubergang vom Trocken= zum Regenwalde; übrigens begleiten Galerien von hygro-
philen Bäumen auch ost die in der Ebene gelegenen Flußläufe.
Die baumlose nach allen Richtungen hin unbegrenzte Grassteppe, die Prärie,
in ihrer grandiosen Eintönigkeit, die nur durch die Rudel des Wildes belebt wird,
ist für viele, vielleicht die meisten unserer „Afrikaner"“ das schönste, was Ostafrika
aufzuweisen hat. Nur während weniger Wochen nach der Regenzeit ist das Gras
grün und saftig, dann färbt es sich gelb und gleicht einem wogenden Kornfelde. In
den Tiefebenen wächst das „Elesantengras“ zu daumendicken weißlichen Stangen
aus und reckt sich zu einer Höhe, daß Roß und Reiter darin unsichtbar werden. Der
Beamte oder Offizier, der während einer Dienstreise BRoutenaufnahmen macht, läßt
an hoher Stauge die Reichsdienstflagge einige hundert Meter vor sich hertragen,
um bei dem Marsche zwischen Wänden von Gras, auf einem ständig im Zickzack sich
hinschlängelnden Wege wenigstens die Hoffnung zu haben, alle 5 oder 6 Minnten
einmal auf kurze Augenblicke das schwarz-weiß-rote Tuch zu erblicken und mit dem
Kompaß anpeilen zu können.
Auf den Hochebenen reicht das braune Rispengras selbst in der Zeit seiner Reife
dem Wanderer nur bis an den Leib und auf den saftigen Hochweiden von 2000 m
Höhe und darüber hat es erst Kniehöhe erreicht, wenn es nach mehreren Monaten
langsamen Wachstums seine grüne Farbe verliert.
In den Tälern hat indes schon das Grasbreunen begonnen. Unter der Sonnenglut
ist das Gras zu einer harten, holzigen, undurchdringlichen Decke verfilzt. Der Vieh-
züchter, der sein abgemagertes Vieh an den unverdaulichen Stengeln knabbern sieht,
der Jäger, der dem Wilde nicht nachgehen kann, der Wanderer, den die Graswände
des Morgens mit einem Schauer naßkalten Tanes überschütten, und während des
langen Tagemarsches an der Aussicht hindern, sie alle haben ein Interesse daran,
die dürre Pflanzendecke zu beseitigen. So beginnt ein teils spontanes, teils systema-