Als nun am 2. Februar 1808 französische Truppen die ewige
Stadt besetzten, die päpstliche Garde entwaffneten und Pius
VII. zum Gefangenen in der eigenen Hauptstadt machten, 51) wäre
es, da das päpstliche Gebiet als französische Provinz behandelt
wurde und der Papst seinen weltlichen Thron verloren hatte,
nach den entwickelten Grundsätzen logisch gewesen, wenn
der Gesandte abberufen worden wäre.
Doch Humboldt betrachtete seine Akkreditierung als weiter
bestehend, und die Berliner Regierung pilichtete ihm in dieser
Ansicht bei, wohl von dem Gedanken ausgehend, der gegenwärtige
Zustand bedeute nur ein Provisorium. Immerhin liegt
in diesem Nachgeben gewissermaßen die Anerkennung des Papstes
als Souverän, auch wenn er kein Gebiet sein eigen nennt.
An Humboldt’s Stelle trat, von ihm empfohlen, der Abbe
Nicola Nicolai, und zwar als Agent. Als dann Pius VII. in das
Exil nach Savona ging (Juli 1809), 5) wurden die weiteren
Kurialgeschäfte durch die Vermittlung des Nuntius in Wien geführt.
53)
4.) Diese Unterbrechung der direkten diplomatischen Beziehungen
zwischen Rom und Berlin erklärt sich, ähnlich wie s.
Zt. unter Friedrich dem Großen, aus dem kriegerischen Geist der
nun folgenden Jahre, die Preußen nach Jena und Auerstädt an
den Rand des Verderbens brachten, und wo jede noch so kleine
Ausgabe vermieden werden mußte, um die auf dem Lande ruhende
ungeheure Schuldenlast abzutragen oder den Bedrücker
abzuschütteln. Auch den Papst sah die Zeit in tiefster Erniedrigung.
„Es war,“ so sagt Hilgenreiner, %) „als sollte das Wort
des Konsuls Bonaparte von 1797 sich bewahrheiten: „Die alte
Maschine wird von selber zusammenbrechen.“ “
Als dann aber Napoleons Macht in den Freiheitskriegen zusammenbricht,
Preußen wieder frei wird, und der Papst Pius VII
51) vgl. hierzu Nielsen, S. 181 ff., Hilgenreiner, Römischu Frage, S. 20
und v. Sydow, S. 61.
62) Nielsen, 3, 189 ff.
63) Mejer, Bd. I, 3. 441, 443.
6) Seite 19.
21