145
ihn Tag und Nacht, daß er früher oder später mit dieser schwer
beleidigten Macht den Todeskampf zu ringen haben würde. Sicherheit
gegen Oestreich — denn nur so wollen wir vorläufig es nennen
und später von ihm erfragen, ob er auch ferner wieder Anderes im
Sinne gehabt — Sicherheit gegen Oestreich war der Grundgedanke
seines Wirkens, Thuns und Strebens, der Gedanke, der sich spiegelt
in den wichtigsten Ereignissen seines Lebens, in den Bündnissen,
die er mit anderen Mächten erstrebt, wie in den geringsten
Cabinetsordres über Heer und Finanzen, und vor allen Dingen
in den schriftstellerischen Ergüssen des Königs. Wie so oft die Abneigung
des Gekränkten gegen den Beleidiger geringer ist, als der
Haß des Beleidigers wider den Gekränkten: so war es vor allen
Dingen hier. Maria Theresia machte kein Hehl aus ihrer Abneigung
gegen den König persönlich. Wie auch sollte sie es? Aber
sie war ihm eben nur abgeneigt. Der Haß Friedrichs wurde das
System seines Staates. Er gab den Kräften desselben die Richtung,
und nur diese eine Richtung.
Er selbst hat Rußland die gefährlichste Macht genannt, insbesondere
für den preußischen Staat. Im Westen hatte sein Ahnherr,
der große Kurfürst, alle Kräfte aufgeboten zur Sicherung
gegen den Reichsfeind, der damals unablässig drohte. Nicht diese
Feinde fürchtete fortan Friedrich. Die Werke von Geldern ließ er
schleifen.) Niederwesel war stark mit einer mächtigen Citadelle.
Nur diese ließ Friedrich bestehen, die Werke der Stadt mußten
fallen. Gegen Osten ward eine Festung nicht erbaut. Nur im Süden
meinte Friedrich das Land schützen zu müssen gegen die deutsche Macht,
gegen Oestreich. Nicht weit von der Grenze, wo die Oder in das
preußische Schlesien fällt und kaum erst Schiffe trägt, lag Kosel.
1) Mlrabeau u. Mauv. IV. 417. Der Uebersetzer des vierten Bandes ist
der preußische Offizier v. Blankenburg, der seine Berichtigungen in der Regel gleich
in den Tert hineingetragen hat.
Klopp, der König Friedrich II. 10