Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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um  ihren  geistlichen  Vorkämpfer  zu  schuͤtzen,  theils  um  Rache  an  seinen  theologischen
  Widersachern  zu  nehmen.

Vor  Allem  war  das  Haus  des  reformirten  Hofpredigers  Füßel  der  Gegenstand
  ihrer  Wuth.  Ueberdies  noch  erhitzt  von  dem  damals  sehr  starken  Berliner
Bier  stürmten  sie  sein  Haus,  und  hätten  ihn  wahrscheinlich  in  Stücke  gerissen,
wenn  er  sich  nicht  schleunig  mit  Weib  und  Kind  über  das  Dach  in  das  Haus
seines  Nachbarn  gerettet  hätte.  Die  Nachricht  von  diesen  wilden  Ausschweifungen
gelangte  zum  Statthalter  in  dem  Augenblick,  wo  er  sich  zur  Ruhe  legen  wollte.
Sogleich  kleidete  er  sich  wieder  an  und  eilte  mit  acht  berittenen  Trabanten  auf
den  Schauplatz  der  Verwüstung.  Zum  Unglück  entlud  sich  das  Pistol  eines  der
Begleiter  des  Markgrafen,  man  weiß  nicht,  ob  von  ungefähr  oder  aus  feindlicher
  Absicht.  Da  brach  allerseits  die  langverhaltene  Wuth  los;  die  Sturm-Glocke
  wurde  gezogen  und  der  Tumult  mehrte  sich  von  Minute  zu  Minute.
Um  ihn  möglicher  Weise  noch  zu  beschwichtigen,  begab  sich  der  Statthalter  zu
dem  Cölnischen  Bürgermeister  Zahn,  welchem  er  die  Verantwortlichkeit  für  den
Aufruhr  aufbürdete.  Dieser  jedoch  erwies  sich  als  vollkommen  unschuldig  an
dem  Lärmen,  und  folgte  dem  Statthalter  willig,  wie  er  gerade  war,  mit  einem
Schlafpelze  bekleidet.  Doch  vergebens  redete  er,  redete  der  Markgraf,  um  die
Massen  zu  besänftigen;  ja  man  verbreitete  böslicher  Weise  das  Gerücht,  der
Bürgermeister  selbst  werde  gefangen  fortgeschleppt.  Nicht  nur  stieß  man  jetzt
die  wüthendsten  Schmähworte  gegen  den  Fürsten  aus,  sondern  man  warf  mit
Steinen;  es  fielen  sogar  Schüsse.  Viele  beiderseits  erhielten  Wunden;  der  Markgraf
  selbst  wurde  am  Schenkel  von  einem  Steine  hart  getroffen,  während  Kugeln
  ihm  um  den  Kopf  sauseten.  Auch  der  Bürgermeister,  da  man  bald  von
dem  anfänglichen  Irrthum  zurückgekommen  war,  erfuhr  harte  Mißhandlungen.
Der  verwundete  Statthalter  hatte  sich  aufs  Schloß  zurückziehen  müssen.

Am  andern  Tage  kam  Stuler  triumphirend  in  die  Stadt  zurück,  und
schürte  die  Wuth  seiner  schon  zu  sehr  erhitzten  Anhänger  durch  neue  donnernde
Predigten.  Daher  schaarten  sich  die  aufgehetzten  Massen  von  Neuem  zusammen
und  machten  sich  an  die  Häuser  der  reformirten  Räthe  des  Kurfürsten,  vor
Allem  an  das  des  Kanzlers  Pruckmann,  den  man  mit  Recht  als  die  Seele  der
reformirten  Partei  ansah.  Es  waren  jedoch  so  kluge  Gegenanstalten  getroffen,
daß  jeder  Versuch  der  Art  mißglückte.  Bald  sogar  scheint  die  bewaffnete  Macht
des  Statthalters,  vielleicht  auch  wohl  unterstützt  von  dem  vernünftigeren  Theil
der  Bürgerschaft,  die  Oberhand  gewonnen  zu  haben,  denn  der  verfolgte  Füßel
kehrte  nicht  nur  zurück,  sondern  bestieg  selbst,  und  zwar,  wie  berichtet  wird,  in
einer  grünen  Weste  und  bloßem  Unterkleide,  und  mit  einem  geborgten  Mantel
bedeckt,  die  Kanzel,  um  den  eben  so  von  Mitleid  als  von  Grimm  erfüllten  Zuhörern
  die  Scenen  seines  Märtyrerthums  eindringlich  auszumalen.  Dieses  etwas
theatralische  Benehmen  erwies  ziemlich  klar,  daß  auch  der  reformirte  Kirchenlehrer
  nicht  von  der  Neigung  frei  gewesen  ist,  seinen  Einfluß  zu  leidenschaftlicher
Aufregung  zu  benutzen.  Sein  Benehmen  bei  dieser  Gelegenheit  läßt  vermuthen,