voller Klarheit gebracht werden; wahrscheinlicher allerdings ist Letzteres.
Abgesehen von seiner französischen Herkunft, hatte er eben so wenig, wie das
Wiener Kabinet, von seinem einseitigen östreichischen Standpunkte in Bezug auf
sein neues Vaterland, das Interesse, Preußen und Russen einen glorreichen
Sieg zu wünschen, da das Interesse beider Staaten mit dem schwedischen wohl
schwerlich in allzugroßen Einklang zu bringen war. Ueberdies konnte Niemand
wissen, wie auf den anderen Punkten der Kampf ausfallen würde, und war
Napoleon gegen die große und die schlesische Armee siegreich, so durfte die von
Bernadotte bei Groß-Beeren gezeigte Schonung für ihn selbst von großem
Vortheile sein. Ein Glück war es, daß die beiden preußischen Generale Muth
und Einsicht genug gehabt hatten, auch ohne seine Bestimmung und Hülfe den
Sieg zu erfechten.
Allerdings fand bei Groß-Beeren keine Hauptschlacht statt, es kämpften
nur zwei französische Heeresabtheilungen gegen zwei preußische, und zwar in
gesonderten Massen; auch war der Verlust des Feindes nicht so groß, daß er die
Erneuerung einer Schlacht an demselben Flecke verhindert hätte; allein schon
unendlich wichtig war es, daß der Feldherr der Gegner für den Augenblick
sein, in stolzer Anmaßung für sicher erreicht gehaltenes Ziel hier gänzlich verfehlte.
Bei Weitem wichtiger aber noch war die Ueberzeugung bei Freund
und Feind, daß die neu geworbenen Truppen und Landwehren es nicht nur
alt gedienten Soldaten gleich, sondern sogar zuvor thaten. Die Landwehr kam
nicht allein zu Ehren, sondern sie wurde von den Gegnern gefürchtet, und
viele von den preußischen Befehlshabern, die noch wegen eines Restes alter
Vorurtheile von Truppen nichts wissen wollten, die keinen Parademarsch ausführen
und die Tempo's genau beobachten konnten, traten mit Lust an die
Spitze dieser heldenmüthigen Schaaren, gewiß, mit ihnen, wie bei Groß-Besren,
Thaten, würdig der Zeit Friedrich's des Großen, zu verrichten. Diesen
wichtigen Dienst dankte Preußen den Generalen Bülow und Tauentien und
ihren opferwilligen Streitern.
Wie groß aber auch immer der moralische Eindruck war, den der Sieg
der preußischen Truppen bei Groß-Beeren auf die Gegner gemacht hatte, so
ließ sich doch der stolze Eroberer, trotz der beträchtlicheren Verluste auf dem
Rückzuge, durch diesen ersten Unfall nicht von seinem Plane, die Hauptstadt
Preußens zu nehmen und letzteres ganz zu vernichten, zurückschrecken. An der
Stelle Oudinot's erhielt der durch seinen kühnen Widerstand gegen die feindliche
Hauptarmee auf den Eisfeldern Rußlands berühmte Marschall Ney, wenn
auch vielleicht kein geschickter Feldherr, doch ein entschlossener, Alles wagender
Kriegsmann, den Befehl, mit dem neuverstärkten Heere den kühnen Streich
noch einmal zu versuchen.
Vom Zten September an geriethen die beiden Heere von Kropstädt bis
Zahna an einander; am 6ten kam es bei Dennewitz, unweit Jüterbock, zur
Schlacht. Wiederum hatten die preußischen Armee-Corps unter Tauenzien