Volltext : Das Konstanzer Bekenntnis für den Reichstag zu Augsburg 1530.

246  Johannes  Ficker:

ain  fry  eristenlich  coneilium  oder  doch  nationalversamlung  ze  halten,  das
ouch  VKM  zu  sollichem  gnediglich  gewilligt  hat.  Desshalb  wir  zugedenken
haben,  VKM  sye  in  ansehung  vorerwogner  ursachen  nochmals  des  gnedigisten
  willens  zu  haltung  aines  cristenlichen  concilii  oder  nationalversamlung
  furzefarn,  habe  ouch  obberürt  vorher  zu  gestatten  darum  furgenomen,
  darmit  sy  darus  dester  komenlicher  weg  und  yngang  zu  furderung
aines  concilii  oder  nationalversamlung  gehaben  mög.

Hierum,  sonder  VKM  zu  underthenigister  gehorsam  und  willfarung,
so  übergeben  VKM  wir  uusers  gloubens  und  cristenlicher  religion  haltung
nachgemelten  schriftlichen  begriff,  doch  nit  der  maynung,  sollichs  ditzmals  zu
verfechten  oder  zu  be-[Bl.  1  b]schirmen,  sonder  allain  darmit  die  suma  unsers
gloubens  und  haltung  anzuzaigen,  der  trostlichen  hoffnung  und  zuversicht,
so  ain  fry  christenlich  concilium  oder  nationalversamlung  dergestalt,  wie
sich  erhaischt  und  gepurt,  furgenomen  und  gehalten  und  unser  ouch  ander
gelerten  zusamen  komen  werden,  sollich  unser  jetzt  angezaigt  glouben  und
haltung  mit  gottlicher  und  biblischer  schrift  zu  bewern  und  zu  begrunden,
dermass,  das  sich  befunden  wirt,  von  uns  und  den  unseren  mit  sollichen
glouben  und  haltung  wider  unsern  hailigen  cristenlichen  glouben  noch
VKM  nichtz  verhandelt  syn,  mit  dem  underthenigisten  erpieten  (des  wir
dann  vormals  alleweg  gewesst  syen),  so  in  haltenden  cristenlichen  concilien
  oder  nationalversamlung  (oder  sunst)  sollich  unser  glouben  und
haltung  uss  gottlicher  biblischer  schrift  widerfechten  und  abgelaint  und
wir  darmit  anders  und  bessers  bericht  werden,  demselben  guttwillig  statt
ze  geben  und  darby  VKNM  underthenigist  gehorsam  zuerzaigen.

[Bl.  2a]  Namlich  gestattent  wir,  dass  die  diener  des  wort  (ots  uns
und  unsere  mitburger  und  gemainden  underrichten  und  leeren  als  ouch  sy
thund  und  wir  selbs  gloubend  :

Das  ain  ainiger  allmechtiger  Gott  vatter  ist,  der  himel  und  erd  erschaffen,
  ouch  uss  luterer  lieb,  gnad  und  barmherzigkait  (die  er  zu  uns
tragt)  syn  aingepornen  son,  unsern  hern  Jhesum  Cristum,  uns  (die  von
angeerpter  naturlicher  ouch  selbs  begangner  schuld  wegen  im  zorn  Gottes
und  dem  tod  zugeaignet  waren?!),  in  diss  welt  geschickt  hat,  darmit  ain
jeder  der  in  inn  gloub,  nit  verderb,  besonder  ewigs  leben  habe?).

Item  wir  glouben  und  wirt  by  uns  gelert,  das  derselbig  ewig  son  Gots
empfangen  ist  vom  hailigen  gaist  und  geporen  uss  der  ewig  rainen  junkfrowen
  Marie  und  das  er  fur  uns  zu  bezalung  der  schuld  unserer  sunden
gelitten  hat  under  Pontio  Pilato,  ouch  cruziget  ist,  gestorben  und  begraben,
  darzu  abgefaren  zu  den  hellen  und  am  dritten  tag  von  den  todten
lebendig  ufferstanden,  ouch  uffgefarn  zun  himeln,  da  er  sitzt  in  volkomner
  gewaltiger  regierung  zur  gerechten  (Cottes,  syus  allmechtigen  vatters,
da  dannen  er  kunftig  ist,  zurichten  die  lebenden  und  todten.

Item  wir  gloubend  und  lassen  dem  volk  verkunden,  das  derselbig

1)  Vgl.  Warhaft  bericht  der  handlung  zwyschent  bruder  Anthonyn  Vicary
prediger  ordens  yetz  predicanten  im  hohen  stift  zu  Costantz  und  Ambrosi
Blaurern  vor  ainem  ersamen  Rat  daselbst  beschehen  1525,  (Augsburg,  Stadtbibliothek)
  bei  PRESSEL,  Ambrosius  Blaurer  S.  72.

2)  Vgl.  Joh.  3,  16.