246 Johannes Ficker:
ain fry eristenlich coneilium oder doch nationalversamlung ze halten, das
ouch VKM zu sollichem gnediglich gewilligt hat. Desshalb wir zugedenken
haben, VKM sye in ansehung vorerwogner ursachen nochmals des gnedigisten
willens zu haltung aines cristenlichen concilii oder nationalversamlung
furzefarn, habe ouch obberürt vorher zu gestatten darum furgenomen,
darmit sy darus dester komenlicher weg und yngang zu furderung
aines concilii oder nationalversamlung gehaben mög.
Hierum, sonder VKM zu underthenigister gehorsam und willfarung,
so übergeben VKM wir uusers gloubens und cristenlicher religion haltung
nachgemelten schriftlichen begriff, doch nit der maynung, sollichs ditzmals zu
verfechten oder zu be-[Bl. 1 b]schirmen, sonder allain darmit die suma unsers
gloubens und haltung anzuzaigen, der trostlichen hoffnung und zuversicht,
so ain fry christenlich concilium oder nationalversamlung dergestalt, wie
sich erhaischt und gepurt, furgenomen und gehalten und unser ouch ander
gelerten zusamen komen werden, sollich unser jetzt angezaigt glouben und
haltung mit gottlicher und biblischer schrift zu bewern und zu begrunden,
dermass, das sich befunden wirt, von uns und den unseren mit sollichen
glouben und haltung wider unsern hailigen cristenlichen glouben noch
VKM nichtz verhandelt syn, mit dem underthenigisten erpieten (des wir
dann vormals alleweg gewesst syen), so in haltenden cristenlichen concilien
oder nationalversamlung (oder sunst) sollich unser glouben und
haltung uss gottlicher biblischer schrift widerfechten und abgelaint und
wir darmit anders und bessers bericht werden, demselben guttwillig statt
ze geben und darby VKNM underthenigist gehorsam zuerzaigen.
[Bl. 2a] Namlich gestattent wir, dass die diener des wort (ots uns
und unsere mitburger und gemainden underrichten und leeren als ouch sy
thund und wir selbs gloubend :
Das ain ainiger allmechtiger Gott vatter ist, der himel und erd erschaffen,
ouch uss luterer lieb, gnad und barmherzigkait (die er zu uns
tragt) syn aingepornen son, unsern hern Jhesum Cristum, uns (die von
angeerpter naturlicher ouch selbs begangner schuld wegen im zorn Gottes
und dem tod zugeaignet waren?!), in diss welt geschickt hat, darmit ain
jeder der in inn gloub, nit verderb, besonder ewigs leben habe?).
Item wir glouben und wirt by uns gelert, das derselbig ewig son Gots
empfangen ist vom hailigen gaist und geporen uss der ewig rainen junkfrowen
Marie und das er fur uns zu bezalung der schuld unserer sunden
gelitten hat under Pontio Pilato, ouch cruziget ist, gestorben und begraben,
darzu abgefaren zu den hellen und am dritten tag von den todten
lebendig ufferstanden, ouch uffgefarn zun himeln, da er sitzt in volkomner
gewaltiger regierung zur gerechten (Cottes, syus allmechtigen vatters,
da dannen er kunftig ist, zurichten die lebenden und todten.
Item wir gloubend und lassen dem volk verkunden, das derselbig
1) Vgl. Warhaft bericht der handlung zwyschent bruder Anthonyn Vicary
prediger ordens yetz predicanten im hohen stift zu Costantz und Ambrosi
Blaurern vor ainem ersamen Rat daselbst beschehen 1525, (Augsburg, Stadtbibliothek)
bei PRESSEL, Ambrosius Blaurer S. 72.
2) Vgl. Joh. 3, 16.