VBayr. Oberstes Landesgericht in München. 115
stehens der Ehe, ist im § 1487 Abs. 1 klar zum Ausdrucke gelangt.
Beschluß vom 9. Juli 1900; Reg.-Nr. III 36/1900.
Aussetzung des Verfahrens. Da Maria W. in dem Rechtsstreite
durch einen Prozeßbevollmächtigten vertreten war, wurde durch
ihren im Frühjahr 1899 erfolgten Tod das Verfahren nicht unterbrochen.
Dagegen gewährte § 223, jetzt 246 CPO. dem Kläger das Recht, die
Aussetzung des Verfahrens zu verlangen, und dieses Recht konnte ihm
nicht dadurch entzogen werden, daß (der Wittwer) Georg W. sofort, nachdem
der Gegner von seinem Rechte Gebrauch gemacht hatte, mit der Behauptung
auftrat, er sei Erbe der Maria W. geworden, und die Erklärung
abgab, daß er das Verfahren aufnehme. Das Gesetz hat den
Gegner zu dem Antrag auf Aussetzung des Verfahrens deshalb berechtigt,
weil es ihm Gelegenheit gewähren wollte, sich darüber, wer Rechtsnachfolger
geworden ist, verlässige Kunde schon vor dem Zeitpunkte zu verschaffen,
in welchem ihm die Aufnahmeerklärung nach § 250 CPO. zugeht.
Es hat die Verhandlung und Entscheidung über die Rechtsnachtretenden
Verfahren überwiesen (s. Beschl. d. RG. vom 18. Dezember
1895, mitgetheilt in den Entsch. d. RG. Bd. 36 S. 401). Die Entscheidung
des Reichsgerichts vom 13. Dezember 1895 (Jur. Wochenschr.
1896 S. 31) betrifft, wie aus der Mittheilung in Gruchot's Beitr. Bd. 41
S. 756 erhellt, einen Fall, in welchem der Rechtsnachfolger, der die Aufnahme
des Verfahrens erklärte, sich sofort legitimirte, dem Gegner aber
bereits vorher eine Frist zur Einziehung von Erkundigungen bewilligt und
der Verhandlungstermin deshalb verlegt worden war. Ein solcher Fall,
in welchem das Reichsgericht eine Aussetzung des Verfahreus allerdings
für zwecklos und deshalb für nicht geboten erachtete, liegt hier nicht vor.
Die Aufnahmeerklärung, welche Georg W. am 4. Oktober 1900 hat abgeben
lassen, konnte die Anordumg der Aussetzung des Verfahreus nicht
hindern, weil Angesichts der Erklärung des Gegners nicht feststand, daß
Georg W. als Erbe seiner Ehefrau zur Aufnahme des Verfahrens berechtigt
ist. Es muß sich vielmehr erst in dem auf die Aussetzung folgenden
Verfahren zeigen, ob Georg W. in der That der Erbe seiner Ehefrau
heworden ist. Ist dies der Fall, so wird die von ihm erklärte Aufnahme
des Verfahrens wirksam, entgegengesetzten Falls ist die Aufnahme des Versahrens
ungültig und der Anspruch des Georg W. auf Fortsetzung des
Rechtsstreits mit ihm als Erben unbegründet. Die Entscheidung durch
Erwirkung einer Terminsbestimmung und Ladung des Gegners herbeizuführen,
bleibt den Parteien überlassen. Georg W. und dessen Ehefrau
waren Streitgenossen, die dem Gegner im Sinne des § 61 CPO als