2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. $ 2. AT
dem noch die größere oder geringere Beliebtheit einzelner Münzsorten
in Betracht.
Die Folge war, daß erstens die einzelnen Münzsorten zu einander
nicht in festen, sondern in schwankenden Wertverhältnissen standen;
daß zweitens die einzelnen Sorten sich bei der Zahlungsleistung nicht
ohne weiteres vertreten konnten; kurz, daß die einzelnen Sorten nicht
ein einheitliches System bildeten, sondern als verschiedene Arten von
Geld neben einander existierten. Es gab kein einheitliches Geld, innerhalb
dessen die Sorten gleichgültig sind, es gab vielmehr nur einzelne
von einander unabhängige Münzsorten und Gruppen von Münzsorten,
deren jede man nach Wahlıl oder Herkommen den Zahlungsverabredungen
zu Grunde legte. Infolgedessen läßt sich diese Münzverfassung aicht
auf eine Stufe stellen mit unseren modernen Währungssystemen, bei
denen das Geld als eine von den Erscheinungsformen der einzelnen
Münzsorten unabhängige Einheit erscheint; sie stellt vielmehr ein Vorstadiun:
dar, aus dem heraus durch eine wirksame Zusammenfassung
der einzelnen Sorten sich unsere modernen Geldsystemeerst zu entwickeln
hatten, und das sich, weilinihmdie Münzsorte eine ihr in den eigentlichen
Geldsystemen nicht mehr zukommende Bedeutung hat, wohl am
besten als „Sortengeld“ bezeichnen läßt.
Der Zustand des „Sortengeldes* hat infolge der politischen Verhältnisse
in Italien und vor allem in Deutschland die schärfste Ausprägung
erfahren.
In Italien *) haben wir es namentlich mit drei Gruppen von Münzsorten
zu tun, mit Goldgeld, großem Silbergeld und kleinem Silbergeld,
und an diese einzelnen Gruppen schloß sich eine getrennte Rechnung
und Buchung an. In Florenz hatte man am Ende des 13. Jahrhunderts
drei verschiedene Rechnungen neben einander, von denen jede
ein Geldsystem für sich bildete:
1. Die reine Goldrechnung mit dem Goldgulden zu 20 Goldschillingen
zu 12 Denaren („lira a oro“).
2. Die Goldrechnung mit dem Goldgulden zu 29 Soldi' a fiorini
zu 12 Denaren (lira a fiorini). Diese Rechnung lehnte sich an das Wertverhältnis
an, das im Jahre 1271 tatsächlich zwischen Goldgulden
und Silbersoldo (grosso) bestand, und die daraus hervorgehende Rechnung
wurde beibehalten, auch nachdem der Kurs des Soldo durch
fortgesetzte Verschlechterungen stark gesunken war; dadurch wurde
das Kleingeld dieser Rechnung zu einem fiktiven Kleingeld, ebenso
wie das Kleingeld der reinen Goldrechnung von jeher ein fiktives
durch keinerlei Münzstücke dargestelltes gewesen war.
3. Die Rechnung in lira, soldi und denari des umlaufenden Kleingeldrts,
die sich auf die Soldi und Denare aufbaute, und bei der die
1) Vgl. SCHMOLLER a. a. O.