Blausäure — Blausucht. 525
bei guter Verdauung mit weichen Eiern. Wenn auf tägliche Stuhlentleerungen
gesehen wird und die Kinder niemals Fleisch oder Fleischbrühe oder gar Bier
und Wein erhalten, wenn in der fieberfreien Periode öfters heiße Bäder gegeben
werden von 38° auf 427 C. aufsteigend, nachts eine Rumpfpackung,
und wenn die Füße durch Frottieren, durch Fußbäder und warmes, durchlässiges
Schuhwerk stets warm gehalten werden, dann überstehen die Kinder
den Husten sehr leicht, und es bleiben keine Folgen zurück.
Die Allopathie ist diesem Husten gegenüber sehr arm an Hilfsmitteln.
Antipyrin und Karboldämpfe und recht viel „kräftige Kost“, aus Fleisch,
Eiern und Wein bestehend, das ist alles, was sie gibt. Dabei erbrechen sich
die armen Kinder oft fürchterlich, leiden schwer unter den Krampfanfällen
und sind drei Monate lang krank.
Blaufäure. Sie besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff (CHN)
und ist in den Kernen der Steinfrüchte enthalten (siehe „bittere Mandeln").
Als „Zyankali" wirkt sie tödlich, auch wenn man nur wenige Zentigramm
(Hundertstel Gramm) nimmt. Die Medizinheilkunde gebraucht sie in Form
von Bittermandelwasser als „Heilmittel“.
Die Wirkung der Blausäure auf den Organismus ist eine blitzartige,
wenn eine genügende Dosis genommen wurde. Tritt der Tod bei Vergiftungen
nicht in der ersten Stunde ein, so ist noch Aussicht auf Rettung;
man pumpt den Magen aus und sucht Atmung und Nerven durch kalte
Abreibung und Teilgüsse zu beleben.
Blausucht. Sauerstoffreiches Blut ist hellrot, kohlenfäurehaltiges
bläulich und dunkel. Wo der Blutlauf gehemmt ist, verzögert sich naturgemäß
auch der Gasaustausch des Blutes, und es wird mehr Kohlensäure zurückgehalten.
Dadurch erscheinen die Gewebe bläulich statt rötlich, und bei organischen
Herzfehlern, wo der fehlerhafte Bau des Herzens den Blutlauf hemmt,
erhalten das Gesicht, die Lippen, sogar die Fingerspitzen eine bläuliche Färbung.
Bei Erstickung, Krämpfen, Vergiftungen tritt Blausucht als sichtbare
überladung des Blutes mit Kohlensäure vorübergehend auf. Wenn man
bei Familienangehörigen eine fahle, bläuliche Gesichtsfarbe bemerkt, lasse
man sofort eine sorgfältige Untersuchung des Herzens seitens eines tüchtigen
Arztes vornehmen.
Behandlung. Bei ausgesprochenen anatomischen Herzfehlern läßt sich
die Blausucht nicht mehr ganz beseitigen, weil ihre Ursache, der Herzfehler,
nicht wegzubringen ist; dagegen kann man sie in gewissen Grenzen halten,
indem man für Anregung des Blutlaufes sorgt und alle dem Blute und dem
Herzen schädlichen Einflüsse beseitigt. Schwere körperliche Anstrengungen müssen
verhütet, Alkohol und Kaffee strengstens gemieden werden, ebenso Gemütsaufregungen
und schlechte Luft. Leichte Diät, bestehend aus Milch und Obst,
mäßige Bewegung, Ganzabwaschungen, Fuß= und Handbäder, Atemgymnastik
erhalten ein schönes Gleichgewicht, doch bedarf es in solchen Fällen der ärzt-