Metadaten : Demokratie und Kaisertum.

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keine  willenskräftige  Individualität  an  seine  Stelle  denken,  die  nicht  nach
einer  Art  Naturgesetz  so  reden  müßte.

Es  ist  ja  doch  unmöglich,  das  Persönliche  aus  der  Weltgeschichte
auszuschalten!  Um  vorwärts  zu  kommen,  braucht  jedes  Volk  eine  Anzahl
prophetisch  sichere  Ich-Oersonen.  Auch  die  Demokratie  lebt,  wie  wir  schon
sahen,  nicht  ohne  dieses  Element.  Warum  soll  der  Thron  nicht  die  Stelle
sein  für  solche  Sicherheit  des  eigenen  Willensd  Was  hülfe  es  uns,  wenn
wir  einen  Fürsten  hätten,  der  sich  leiten  ließed  Oder  wenn  wir  keinen
hätten  d  Wäre  dann  die  Demokratie  und  der  Sozialismus  in  Deutschland
auch  nur  um  einen  GSentimeter  weiter  vorand  Im  Gegenteil!  Unsere
Fortschrittshoffnungen  gründen  sich  mehr  auf  den  Kaiser,  als
auf  den  Reichstag  in  seiner  jetzigen  Susammensetzung.  Kkatürlich
ist  jede  starke,  mit  Jmperatorengewalt  ausgerüstete  Ich-Oerson  ein  gewisses
Demmnis  der  freien  Entwickelung  anderer  Kräfte.  Der  verstorbene  Ludwig
Bamberger  hat  nach  Bimarcks  Tode  die  Frage  aufgeworfen,  ob  Bismarck
imstande  gewesen  wäre,  das  deutsche  Bürgertum  politisch  zu  erziehen,
wenn  er  gewollt  hätte.  Die  Frage  ist  nicht  ganz  richtig  gestellt,  denn  ein
Bismarck  kann  das  nicht  wollen.  Wer  Tag  für  Tag  direkte  Entscheidungen
in  Weltmachtsfragen  abzugeben  hat,  für  den  kommt  die  politische  Erziehung
der  einzelnen  Teile  einer  Masse,  die  er  oft  als  Dinderung  empfindet,  nur
gelegentlich  in  Betracht.  Im  allgemeinen  wird  er  geneigt  sein,  auch  die
innere  Holitik  nur  unter  dem  Gesichtspunkt  des  Schachspiels  der  Kräfte
anzusehen.  Eine  Förderung  ihrer  politischen  Tendenzen  kann  also  die
Demokratie  vom  Imperator  nur  insofern  erwarten,  als  Konzessionen
demekratischer  Art  für  Hilfsleistungen  auf  nationalem  Machtgebiet
  geleistet  werden.  Eins  aber  wird  dabei  von  demokratischer  Seite
oft  übersehen.  Man  glaubt,  daß  es  ein  direktes  Interesse  des  Imperators
sei,  freiere  Sestaltung  der  Landtagswahlen,  Kommunalwahlen,  Dereine  usw.
zu  hindern.  Das  ist  nicht  der  Fall.  Der  Imperator,  der  Weltpolitik
macht,  ist  tatsächlich  in  der  Lage,  in  diesen  Dingen  dußerst  entgegenkommend
  zu  sein,  um  so  mehr,  je  mehr  er  seiner  eigenen  persönlichen
Wucht  sicher  ist.  Er  ist  keineswegs  ein  geborener  Gegner  demokratischer
Fortschritte,  nur  allerdings  auch  kein  geborener  Freund  derselben.  Solche
Fortschritte  zu  erreichen,  ist  und  bleibt  Aufgabe  einer  klugen,  praktischen