Contents : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

des  Botschafters  mit  Lord  Salisbury  heraus,  daß  auch  dieser
einem  Bündnis  mit  Deutschland  geneigt  war.  Allerdings  war
nach  zuverlässigen  Nachrichten  aus  Petersburg  ein  mißglückter  eng—
lischer  Versuch  vorausgegangen,  ein  inniges  Einvernehmen  mit
Rußland  herzustellen.  Graf  Hatzfeldt  wies  in  seiner  Antwort
darauf  hin,  wie  schwer  es  für  das  parlamentarisch  regierte  Eng—
land  wäre,  genügende  Garantie  für  ein  Bündnis  zu  bieten.  Man
müsse  daran  denken,  daß  im  Kriegs-  und  Bündnisfalle  ein  eng—
lisches  Kabinett,  das  die  mit  Deutschland  und  dem  Dreibund  ein—
gegangenen  Verpflichtungen  zu  halten  entschlossen  sei,  vom  Parla—
ment  gestürzt  werde.  Chamberlain  glaubte  den  Einwand  mit
der  Entgegnung  beseitigen  zu  können,  daß  man  ja  den  Ver—
trag  dem  Parlament  zur  Genehmigung  vorlegen  könnte,  bekam
aber  die  Antwort,  daß  das  für  Deutschland  den  Verzicht  auf  die
guten  Beziehungen  zu  seinem  russischen  Nachbar  bedeuten  würde.
Wer  sich  in  die  damalige  Zeit  versetzt,  der  wird  an  der  vorsichtigen
und  mißtrauischen  Behandlung  des  Bündnisangebots  kaum  etwas
zu  tadeln  haben.  Bismarck  lebte  noch!  War  ihm  und,  mit  ihm
dem  deutschen  Volk  schon  Bulgarien  nicht  die  Knochen  eines  pommerschen
  Musketiers  wert,  wieviel  weniger  erst  Indien  oder
Agypten!

Zunächst  kam  es  darauf  an,  daß  wir  mit  England  und  England
  mit  uns  gut  Freund  blieben  und  mit  beiderseitigem  guten
Willen  koloniale  Reibungen  möglichst  vermieden  würden.  In
Ostasien  hatten  Deutschland  und  England  das  gleiche  Interesse,
für  ihren  Handel  die  offene  Tür  zu  erhalten.  Bei  dem  Transvaalstreit
  in  Afrika  war  es  bereits  entschieden,  daß  wir  nicht  die  Macht
hatten,  die  englische  Aufsaugung  der  Burenrepubliken  zu  verhindern.
  Einer  neuen  Verwickelung  aber,  die  sich  aus  der  beiderseitigen
  Grenznachbarschaft  mit  den  portugiesischen  Besitzungen
  in  Afrika  im  Falle  ihrer  Veräußerung  oder  Verpfändung
  ergeben  mußte,  konnte  durch  ein  deutsch-englisches  Einvernehmen
  vorgebeugt  werden.  Portugal  war  in  größter  Geldnot,
  sein  Zinsendienst  war  zum  Schaden  seiner  Gläubiger,  darunter
  deutscher  wie  englischer,  ins  Stocken  gekommen.  Portugiesische
  Finanzleute  suchten  Hilfe  in  London  und  Berlin  und  boten
Verkauf  oder  Verpfändung  portugiesischer  Besitzungen  an.

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