Full text : Geschichte der Hohenzollern.

Früherer  Zustand  der  Mark  Prandenburg.

Das  Land,  welches  jetzt  der  Schauplatz  der  Thaten  der  Burggrafen  sein
sollte,  war  großentheils  ein  den  Slaven  abgerungenes  Gebiet.  Schon  König
Heinrich  I.  eroberte  in  seinen  Kämpfen  mit  den  Wenden  die  damals  wichtigste
Stadt  zwischen  Elbe  und  Oder,  Brennabor.  Unter  seinem  Nachfolger  gebot
Gero,  zuerst  Markgraf  genannt,  längs  der  ganzen  Slavenküste.  Nach  ihm
ward  dieses  Grenzgebiet  in  drei  Herrschaften,  Nord=  und  Ostmark  und  Markgrafschaft
  Meißen  zerlegt.  Das  Christenthum  fing  an,  sich  unter  der  Einwirkung
der  deutschen  Grenzfürsten  in  dem  Slavenlande  auszubreiten,  doch  nicht  ohne
Rückfälle  und  blutige  Verfolgungen  seiner  Anhänger,  vorzüglich  aber  der
deutschen  Ansiedler.  Erst  gegen  die  Mitte  des  zwölften  Jahrhunderts  errang
die  Herrschaft  der  Deutschen  und  mit  ihr  das  Christenthum  einen  festen  Grund
und  Boden.  Bald  wurde  das  deutsche  Element  durch  Colonisation  überwiegend;
deutsche  Sitte  und  Sprache  errang  die  Oberhand  zwischen  Elbe  und  Oder,  ja
über  die  letztere  hinaus.  Der  Begründer  dieser  festen  Herrschaft  deutschen
Wesens  war  Albrecht,  Graf  von  Ballenstedt,  dem  die  sogenannte  Nordmark
oder  Markgrafschaft  Salzwedel  als  ein  selbstständiges  Reichslehen  übertragen
wurde.  Theils  durch  Verträge,  theils  durch  die  Waffen  unterwarf  er  sich  das
Land  bis  an  die  Havel,  eroberte  im  Jahre  1158  die  Stadt  Brandenburg,  und
eröffnete  dadurch  seinen  Nachkommen  den  Weg  zu  weiteren  Erwerbungen.  In
der  Mitte  des  dreizehnten  Jahrhunderts  ward  das  Land  jenseits  der  Oder,  die
sogenannte  Neumark,  erworben,  und  die  Macht  der  Fürsten  so  groß,  daß
Markgraf  Waldemar  selbst  von  den  Königen  von  Dänemark  und  Polen  gefürchtet
  wurde.  Waldemar  starb  1319,  und  ein  Jahr  nach  ihm  erlosch  das
askanische  Fürstengeschlecht  in  der  Mark,  welches  kurz  zuvor  noch  in  einer
reichen  Zahl  von  Fürsten  geglänzt  hatte.

Zu  jener  Zeit  kämpften  Friedrich  von  Oestreich  und  Ludwig  von  Baiern
um  die  deutsche  Krone.  Erst  nach  dem  Siege  über  den  Gegner  verfügte  Letzterer
über  die  Mark  Brandenburg  zu  Gunsten  seines  ältesten  Sohnes  Ludwig.  Er
ist  der  erste  der  Markgrafen  aus  baierschem  Hause.  Vielfach  ward  seine  Herrschaft
  angefochten,  und  fast  erlag  er,  als  ein  Berüger  sich  dazu  hergab,  die
Rolle  des  längst  verstorbenen  Waldemar  zu  Gunsten  seiner  Feinde  zu  spielen.
Markgraf  Ludwig  trat  die  Mark  seinen  jüngeren  Brüdern  Ludwig  ll.  (dem  Römer,
weil  er  auf  dem  Römerzuge  geboren)  und  Otto  ab.  Dieser,  nach  seines  Bruders
frühem  Tode  alleiniger  Herr  der  Mark,  ein  in  jeder  Art  unwürdiger  Regent,
trat,  theils  aus  gedankenloser  Schlaffheit,  theils  durch  Kriegsdrohungen  geschreckt,
für  eine  Summe  von  300,000  Gulden  den  theuer  errungenen  und  behaupteten
Besitz  seines  Hauses  an  den  schlauen  und  spekulativen  Gründer  der  luremburgischen
  Herrschermacht,  den  Kaiser  Karl  IV.  ab.