Full text : Blätter für Rechtsanwendung. XLII. Band. (42)

Neuere  oberstrichterliche  Erkenntnisse.  285

eine  Fahrtgerechtigkeit  über  den  den  B.'schen  Eheleuten
  verbliebenen  Anwesensrest  eingeräumt.  Nun
wurde  aber  festgestellt,  daß  bei  der  Beurkundung  jenes
Vertrages  die  B.'sche  Ehefrau  gar  nicht  zugegen
war,  daß  vielmehr  statt  derselben  eine  andere  Frauensperson,
  sich  für  die  Ehefrau  B.  ausgebend,  gehandelt
hat,  und  fragte  es  sich,  ob  der  gedachte  Vertrag  als
ungiltig  erachtet  und  insbesondere,  ob  derselbe  von
dem  B.,  welcher  Erbe  seiner  Frau  geworden  war,
als  ungiltig  angefochten  werden  könne?  Hlerüber
hat  sich  der  OGH.  also  ausgesprochen:

Aus  Thl.  IV  c.  1  F.  5  des  bayer.  Ldr.  u.
Anm.  2  hiezu  folge  nicht,  daß  ein  giltiger  Vertrag
dadurch  ausgeschlossen  werde,  daß  das,  was  ein
Kontrahent  dem  anderen  verspricht,  ein  Gegenstand
sei,  über  welchen  er  nicht  oder  doch  nicht  allein  verfügen
  könne.  Die  Bestimmungen  in  8.  16  Nr  3
a.  a.  O.,  Anm.  lit.  b  u.  c  hiezu,  in  Thl.  II  c.  2
§.  16  und  Thl.  IV  c.  13  F.  3  Nr.  5  u.  c.  3  §.  3,
ferner  in  Thl.  IV  c.  4  S.  2  Nr.  1  u.  Anm.  1  lt.  a
mit  Anm.  4,  endlich  in  Thl.  II  c.  7  §.  4  Nr.  2
u.  3  ließen  vielmehr  entnehmen  —  (es  ist  näher
dargelegt),  daß  derartige  Verträge  nicht  absolut
nichtig  seien,  sondern  nur  vom  Eigenthümer  bzw.
Miteigenthümer,  welcher  nicht  zugestimmt  habe,  angefochten
  werden  könnten.  Den  hier  in  Rede  stehenden
  Vertrag  anzufechten,  würde  wohl  die  Ehefrau  B.
berechtigt  sein,  nicht  aber  der  Ehemann  B.,  und
zwar  auch  nicht  als  Erbe  seiner  Frau,  weil  er  den
Vertrag  selbst  abgeschlossen  habe  und  sich  dadurch,
daß  er  seine  eigene  Handlung  aufechte,  eines  dolus
schuldig  machen  würde.  —  Urth.  v.  22.  Juni
HVNr.  3255  *).

*)  Bemerkung  der  Redaktion.  Es  scheint,  das  Gefühl
  für  materielles  Recht  hat  den  obersten  Gerichtshof.
bestimmt,  in  dieser  Sache  es  mit  dem  formellen  Recht