Full text: Wörterbuch des Deutschen Staats- und Verwaltungsrechts. Dritter Band. O bis Z. (3)

  
Viehseuchen 
811 
  
widerhandlungen gegen die zur Abwehr der 
Rinderpest erlassenen Vieheinfuhrverbote, v. 21. 
5. 78 (RGBl 95) ist erlassen, da die Bestimmun- 
en des 8 328 des StGB sich zur Verhütung des in 
nbetracht der Rinderpesteinschleppung besonders 
gefährlichen Viehschmuggels an den östlichen Lan- 
desgrenzen namentlich deshalb als unzureichend 
herausgestellt hatten, weil danach zur Bestrafung 
der Nachweis von dem Bewußtsein des Angeklag- 
ten erforderlich ist, daß seine Handlung dem ge- 
troffenen Verbote der Vieheinfuhr zuwiderlaufe. 
Außerdem machte sich auch der Mangel einer gegen 
den Versuch gerichteten Strafandrohung fühlbar. 
In diesen Beziehungen schafft das Gesetz Abhilfe. 
Es trifft nur die Beschränkungen und Verbote der 
Einfuhr — selbstredend auch der Durchfuhr, da jede 
Durchfuhr mit einer Einfuhr beginnt — lebender 
Wiederkäuer, nicht anderer Tiere. Wegen der 
Gefährlichkeit der betreffenden Handlungen sind die 
Strafen gegenüber dem Stn durch Erhöhung 
des Höchstmaßes sowie des Mindestmaßes ver- 
schärft. Eine weitere Strafverschärfung tritt ein, 
wenn die Zuwiderhandlung in der Absicht began- 
gen wird, sich oder einem anderen einen Vermö- 
gensvorteil zu verschaffen oder einem anderen 
Schaden zuzufügen. Auch das fahrlässige Zu- 
widerhandeln, praktisch besonders bedeutsam, wenn 
es in der verschuldeten Nichtkenntnis der erlassenen 
Beschränkungen oder Verbote zu finden ist, wird 
hier unter Strafe gestellt, und eine Erhöhung der 
Strafe tritt ein, wenn eine wirkliche Schädigung 
der zu schützenden Interessen vorliegt. 
Soweit die Bestimmungen dieses Gesetzes keine 
Anwendung finden, fallen die Verletzungen der im 
8 2 des Rinderpest G bezeichneten Beschränkun- 
gen, Verbote usw. unter den 8 328 des StGB, 
wonach derjenige, welcher die Absperrungs- 
oder Aufsichtsmaßregeln oder Einfuhrverbote, die 
von der zuständigen Behörde zur Verhütung des 
Einführens oder Verbreitens von V., also auch 
der Rinderpest, angeordnet worden sind, wissentlich 
verletzt, mit Gefängnis usw. bestraft wird. Welche 
Behörde die zuständige ist, muß nach den Landes- 
gesetzen beurteilt werden. 
Neben den Strafen, welche die vorerwähnten 
Gesetze, das Ro# v. 21. 5. 78 und das StGB 
328 vorschreiben, trifft nach dem VB#G v. 1. 7. 
69 (BGl 355) + 134 noch die Strafe der Kon- 
trebande denjenigen, welcher einem Einfuhrver- 
fotetuwider Vieh oder andere Gegenstände ein- 
rt. 
II. Vernichtung der Anstechungsstofse auf Eisen- 
bahnen 
#§s 6. Eisenbahn--Desinfektionsgesetz, Reichs- 
gesetz und Ausführungsverordnungen der Einzel- 
staaten. Das den § 6 des RinderpestG auf- 
hebende (oben § 3 III) R, betr. die Beseiti- 
gung von Ansteckungsstoffen bei Viehbeför- 
derungen auf Eisenbahnen, v. 25. 2. 76 (RE#Bl 
163) macht den Eisenbahnverwaltungen, in deren 
Bereich die Entladung stattfindet, unabhängig 
von der Rinderpestgefahr eine ständige Desin- 
sektion der zur Beförderung von Einhufern, 
Wiederkäuern und Schweinen verwendeten Eisen- 
bahnwagen nach jedesmaligem Gebrauche, so- 
wie der Gerätschaften, Rampen, Vieh- Ein- 
und Ausladeplätze und der ihnen gehörigen 
  
Viehhöfe unter Androhung schwerer Strafen zur 
Pflicht. Zu den s 3 und 4 dieses G hat der BR 
unter Aufhebung der früheren Bekanntmachungen 
neue Ausführungsbestimmungen erlassen (Bek d. 
RK v. 16. 7. O4, Röl 311, und zugleich solche 
über die Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei 
der Beförderung von lebendem Geflügel auf 
Eisenbahnen (Bek d. RK v. 17. 7. O4, Rol 317), 
welche die von dem Gesetze für zulässig erklärten 
Ausnahmen regeln und für die von den Landes- 
regierungen zu erlassenden näheren Bestimmungen 
über das anzuordnende Verfahren, über Ort und 
Zeit der zu bewirkenden Desinfektionen sowie 
über die Höhe der zu erhebenden Gebühren die 
Normen angeben. Hiernach haben die Einzel- 
staaten das Verfahren durch die im folgenden be- 
zeichneten Verordnungen geregelt. 
Preußen: Erl d. Min d. öffentl. Arbeiten v. 19. 11. 86 
(Eisenbahn BBl 470), Erl d. Min d. öffentl. Arbeiten v. 
30. 9. 04, 8 BBl 311, und v. 5. 10. o7, 3Bl 340; 
Bayern: Bek des Staats Min des Innern und f. Ber- 
kehrsangelegenheiten v. 24. 8. 04 (GVBl 1904, S 481 
und 494); Sachsen: Vd. Min Inn und der Finanzen 
v. 16. 9. 0O4 (GVBl 1904, 392)!) Württemberg: 
Erl d. Min d. ausw. Angel. v. 8. 6. 92/30. 6. 97 und v. 
11. 8. 99 (Aml#l v. BA. 1899, 348); Baden: Bd. Großh. 
Hauses und der ausw. Angel. sowie des Min Inn v. 27. 9. 04 
(GVBl 1904, 413); Hessen: Bek d. Min Inn v. 23. 10. 
04 (Anl v. Min f. öff. G. 1904, Nr. 353); Mecklen- 
burg--Schwerin: Bek d. Min v. 28. 5. 91 und v. 
2. 11.01; Sachsen -- Weimar: Vd. Min v. 29. 12. 86; 
Mecklen burg--Strelitz: Bek der Landesregierung 
v. 23. 9. 04 (Offiz. Anz 1904, 253) und 19. 10. 05 (Offiz. 
Anz. 1905, 383)) Oldenburg: Bek des Staats Min 
v. 17. 12. 04 (GBl f. Old. 1904, 260, und Gl f. Lübeck 
1904, 763);) Braunschweig: Bek des Staats Min 
v. 13. 12. 0O4 (GBl 1904, 423); Sachsen. Alten- 
burg: B des Min v. 24. 11. 04 (GS 1004, 119) und 
v. 5. 12. 06 (GS 1906, 130)0;) Anhalt: Landesherrl. 
B# v. 8. 12. 04 (GS 1904, 207)0; Hamburg: B des 
Senats v. 2. 1. 05 (ABl 1005, 11); Lübeck: B d. Senats 
v. 10. 9. 04 (S. d. Lübk. GVBl 1904 Nr. 75). 
hseuchen 
6v7. Viehseuchengesetz vom 26. Juni 1909. 
Allgemeines. 
I. Neben der Rinderpest gibt es noch eine Reihe 
von Seuchen, die zwar nicht einen gleich hohen 
Grad von Gefährlichkeit besitzen, wie jene, aber 
immerhin sehr schwere Verluste herbeiführen, um 
so mehr, als sie in ihrer großen Mehrzahl ständig 
im Reichsgebiete herrschen und jederzeit erneut 
in dasselbe eingeschleppt werden können. Gegen 
diese mußte ein geschlossenes Vorgehen des Reichs 
gleichfalls dringend geboten erscheinen. 
Zu diesem Zwecke ist ein umfassendes Gesetz 
erlassen, welches das Verfahren zur Bekämpfung 
übertragbarer V. mit Ausnahme der Rinderpest 
regelt. Dieses „Viehseuchengesetz v. 
26. 6. 09“ (RE#Bl 1900, 519)) ist an die Stelle 
des früheren R, betr. die Abwehr und Unter- 
drückung von V., v. 23. 6. 80/1. 5. 94 getreten und 
mit dem 1. 5. 12 in Kraft gesetzt worden. 
III. Sonstige Magetzeln gegen die übrigen 
e 
1) Das Gesetz wird weiterhin zumeist kurz als „V. “ 
bezeichnet werden.
	        
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