Full text : Weltkrieg und Gottesreich.

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Augen  nicht  es  zu  sehen.  Es  ist  zur  Zeit  mitten  unter
euch  in  der  Gestalt  eines  schlichten  Rabbi,  seines  Wortes
und  Werkes.  Und  dafür  fehlen  euch  Empfänglichkeit
und  Verständnis.

Am  klarsten  ist  die  Frage  nach  dem  Wann  beantwortet
  im  Gleichnis  vom  Senfkorn:  Das  Gottesreich
tritt  nicht,  wie  fromme  Seher,  Dränger,  Schwärmer
immer  wieder  verkündetenn,  in  einem  bestimmten
Augenblick  im  Vollglanz  der  Vollendung  auf  den  Plan.
Es  verhält  sich  vielmehr  damit  wie  mit  einer  Senfstaude,
  die  vom  kleinsten,  ganz  unansehnlichen  Samenkorn
  aus  im  Laufe  eines  Sommers  sich  zu  einem
Gewächs  entfaltet,  in  dessen  Zweigen  die  Bögel  nisten.
Gott  ist  ein  Gott  der  Zeit.  Auf  Flügeln  der  Zeit
schwebt  sein  allmächtig  schaffendes  Werde.  Er  braucht,
um  ein  Weizenkorn,  eine  Traubenbeere  zur  Reife  zu
führen,  einen  lieben  langen  Sommer  mit  Tagen  und
Nächten,  Sonnenglut  und  Regen.  Und  je  gewaltiger
und  edler  eines  seiner  Geschöpfe  ist,  destomehr  Zeit
braucht  er.  Ein  Apfelbaum  bedarf  zur  Entfaltung  mehr
Zeit  als  ein  Fliegenschwamm,  ein  Menschenvolk  mehr
als  ein  Ameisenvolk.  Sein  Reich  auf  Erden  in  Macht
und  Herrlichkeit  erstehen  zu  lassen,  braucht  Gott  nicht
nur  Tage  und  Nächte  sondern  Jahrhunderte  und
Jahrtausende.  Klar  hat  Zesus  gegenüber  den  apokalpptischen
  und  schwärmerischen  Erwartungen  seiner

und  damit  Gerechtigkeit  und  Friede  und  Freude  im  heiligen  Geist
(Röm.  14,  1)  in  sich  hätten,  ist  aus  seinem  Munde  nicht  bezeugt.