Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

412  Oberpfalz  u.  Regensburg.

Zu  derselben  gehörte  als  namengebender  Hauptsitz  vas  Schloß  Stauf
(Thumstauf),  welches  in  dem  oben  erwähnten  Forste  war  erbaut  worden,  mit
den  Dörfern  Reiffelding,  Sulzbach,  Bach,  Dömling  und  Frießheim  (dieses
jedoch  am  rechten  Donauufer  gelegen);  das  Schloß  Falkenstein,  das  den  Hohenfeldern
  verpfändet,  aber  dem  Bischofe  Leo  im  J.  1270  zu  Wahrung  der  Integrität
  des  Komitats  wieder  eingelöst  worden  war,  dann  die  späteren  Hofmarken
  und  Sitze  Schönberg,  Wenzenbach,  Lichtenwald,  Adelmanstein,  Altenthann,
  Schwäbelweis  und  die  Vogtei  Roith;  Wörth,  das  gleichfalls  darunter
gehörte,  ward  später  als  eigne  Herrschaft  davon  getrennt.

Den  Nordgau,  der  wie  erwähnt,  nach  Tassilos  II.  Sturze  von  Bayern
losgetrennt  worden  war,  hatte  Karl  der  Greße  in  der  Theilung  vom  J.  806
seinem  ältesten  Sohne  Karl  zugedacht,  eine  Bestimmung,  die  jedoch  durch  des
letzteren  frühen  Tod  (x  4.  Dez.  811)  vereitelt  wurde.  Als  im  J.  817  Ludwig
der  Fromme  seinem  Sohne  Ludwig  dem  Deutschen  Bayern  gab,  blieb  der
Nordgau  gleichfalls  davon  getrennt;  im  Jahre  839  erscheint  er  unter  jenen
Ländern,  welche  des  letztern  Brüder  Lothar  und  Karl  der  Kahle  unter  sich
theilten.  Erst  mit  dem  Vertrage  von  Verdün,  wodurch  Ludwig  der  Deutsche
die  Länder  rechts  des  Rheines  erhielt,  gelangte  der  Nordgau  wieder  zu  Bayern,
wobei  er  auch  in  den  späteren  Theilungen  verblieb.

Schon  Karl  der  Große  hatte  aus  dem  Nordgaue  eine  eigene  Mark  gegen
die  Böhmen  gebildet.  In  der  Reihe  der  Vorsteher  dieser  Mark  finden  wir
den  Ahnherrn  des  wittelsbachischen  Herrscherhauses  Luitpold,  welcher  (907)
im  Kampfe  gegen  die  Ungarn  fiel,  und  dessen  Sohn  Arnulf,  welcher  (911)
auch  zur  herzoglichen  Würde  in  Bayern  gelangte,  und  die  Mark  in  seiner
Verwaltung  behielt.  Wohl  schon  bei  Verbannung  Eberhard's,  Arnulf's
ältesten  Sohnes,  der  nach  seines  Vaters  Tode  Besitz  von  dem  Herzogthume
ergriff,  und  König  Otto's  I.  Oberherrlichkeit  anzuerkennen  sich  weigerte,  von
diesem  aber  abgesetzt  wurde  (938),  ward  der  Nordgau  auf's  Neue  als  besondere,
  jedoch  von  dem  Herzogthume  Bayern  abhängige  Mark  dem  Grafen
Berthold  aus  dem  Hause  Babenberg  übertragen,  welcher  auch  Amerthal  und
andere  Stammgüter  der  vertriebenen  Söhne  Arnulf's  erhalten  hatte,  aber
erst  seit  9661  in  den  Urkunden  des  Nordgaues  erscheint.  Ihm  folgte  sein  Sohn
Heinrich,  welcher  sich  sogar  Hoffnung  auf  die  Nachfolge  im  Herzogthume
machte  und  als  König  Heinrich  II.  ihm  dasselbe  verweigerte,  sich  gegen  diesen
  verschwor,  aber  bald  zur  Unterwürfigkeit  gebracht  wurde  (1003).  Seine
Burgen  wurden  gebrochen,  seine  Eigengüter  mit  sammt  den  Lehen  anderwärtig
  verliehen.  Obgleich  nach  anderthalbjähriger  Haft  begnadigt,  scheint  Heinrich
nicht  wieder  vollständig  in  den  frühern  Besitz  eingesetzt  worden  zu  sein.  Seit
seinem  Sturze  werden  in  den  Urkunden  des  Nordgaues  mehrere  neue  Komitate
  mit  besonderen  Grafen  genannt,  die  wir  bei  weiterem  Verlaufe  kennen
lernen  werden,  gleichwie  wir  schon  eine  Schmälerung  des  markgräflichen  Gebietes
  zu  Gunsten  der  Burggrafen  in  Erfahrung  gebracht  haben.  Dazu  kam