Deutschlands und Englands strategische Lage zur See 11
streitkräften als Zuflucht dienen und dem Gegner das Ansteuern der Deutschen
Bucht unmöglich machen konnte, aber keine über See reichende Geltung besaß.
Die englische Flotte war schon lange vor dem Ausbruch des Krieges
zum Waffengang bereit. Sie war seit dem September 1912 in den heimischen
Gewässern versammelt und wurde im Juni 1914 zu einer großen Drobemobilmachung
aufgeboten, die alle Schiffe in Bewegung brachte. Als der
politische Himmel sich im Juli vollends verdüsterte, beschloß die britische
Admiralität, die Flotte nach Beendigung der Mansver und der großen
Flottenschau auf der Reede von Plymouth zusammenzuhalten. Winston
Churchill ging sogar noch weiter. Er befahl dem kommandierenden Admiral
Sir John Jellicoe, die eingeschifften Reserven nicht zu entlassen, die Vorräte
zu ergänzen und sich Tag und Nacht zur Ausfahrt bereit zu halten. In
der Tat fuhr am 26. Juli ein Teil der Armada in Gestalt der 1. Flotte,
29 Linienschiffe, 4 Schlachtkreuzer und 9 Panzerkreuzer stark, plößlich aus
und nahm Kurs nach Osten. Als die Schiffe am Tage darauf auf ihren
Ankerplah zurückkehrten, erschien diese kurzläusige Bewegung im Lichte einer
Erkundung, die auf größere Dinge schließen ließ. Um dieselbe Zeit jagte die
deutsche Hochseeflotte, die an der norwegischen Küste mansvpriert hatte, mit
äußerstker Kraft den heimischen Gewässern zu, um ihre strategische Grundstellung
zu beziehen. Am 28. Juli lag schon verhaltene Spannung über den Ankerplätzen
der beiden Flotkten, obwohl man auf den deutschen Schiffen noch nicht
an England als Gegner glauben wollte. Am 29. Juli trafen beide Armaden
die lechten Vorbereitungen zum Kriege, am 2. August fielen zu Lande die
ersten Schüsse, und am 4. August erklärte England an Deutschland den
Krieg. Englands und Oeutschlands Flaggen, die sich im Laufe der letzten
25 Jahre achten gelernt hatten, waren über Nacht zu Feinden geworden.
Die englische Kriegsflotte deckte in erster Linie die Aberführung der
Armee Freuchs nach Frankreich. Sie erblickte darin mit Recht die Voraus.
sehung zur Sicherstellung Frankreichs, denn dieses erschien durch den Einmarsch
der Deutschen in Belgien und die in die linke Flanke des franzssischen
Heeres zielende Umfassung schwer bedroht und — was für England ungleich
wichtiger war — die flandrische Küste, Albions Festlandsglacis, drohte in
deutsche Hand zu fallen. Die deutsche Flotte war nicht in der Lage, ihre
Gegnerin an der Lösung dieser gewaltigen Aufgabe zu hindern. Sie mußte
sich damit begnügen, Nordflanke und Rücken des eigenen Heeres zu decken,
wenn sie nicht zu einer Vernichtungsschlacht auslaufen wollte, die der Brite
annehmen oder verweigern konnle. Das war ein bitterer strategischer Verzicht.
Die britische Flocte löste ihre Aufgabe glatt. Unter ihrem Schutze
erreichte die alte britische Feldarmee, erreichten die kanadischen, australischen
und indischen Hilfsvölker, die Divisionen Kitcheners und das große englische
Volksheer nacheinander die französische Küste und warfen das Gewicht
ihrer von Mond zu Mond anschwellenden Masse in die unsicher schwankende