burgischen folgten nach; sein Bruder Heinrich, durch 18,000 Sachsen verstärkt,
zog über Dresden nach Böhmen. Die Oestreicher ihrerseits 100,000 Mann
stark, unter dem Kaiser selbst, dem der bewährte Lacy zur Seite stand, wie
das preußische Heer, mit furchtbaren Geschützmassen ausgerüstet, und in einer
fast unnehmbaren Stellung von Arnau bis Königingrätz. Friedrich verfuhr auch
diesmal, wie es seinem bisherigen Kriegsruhm angemessen war, angriffsweise,
allein mit Vorsicht, denn es galt seinen hohen Kriegsruhm nicht unnütz bloßzustellen,
da Daun's Geist in dem östreichischen Heere zu herrschen schien. Joseph,
kurz zuvor noch so kühn, scheute sich, seinem großen Gegner auch nur die geringste
Gelegenheit zu einem entscheidenden Kampfe zu geben; selbst der thätige
Laudon, jetzt Feldmarschall, hatte dem Prinzen Heinrich gegenüber ähnliche Weisungen.
Joseph suchte um so weniger eine gefährliche Entscheidung, da er sich
in der Hoffnung, durch 24,000 Franzosen verstärkt zu werden, vollkommen
getäuscht sah. Der französische Gesandte in Wien hatte dem Fürsten Kaunitz
als Ergebniß einer feierlichen Kabinetsberathung seines Hofes eröffnet: „Die
Umstände erlaubten Sr. Mgjestät nicht eine andere Entschließung, als die der
Neutralität, bei einem etwa möglichen Kriege in Deutschland zu nehmen.“ Wie
durfte Frankreich, bei dem eben jetzt ausbrechenden Kampfe mit England, wo
es der Hoffnung, sich wieder Achtung auf der See zu verschaffen und den
Nationalfeind zu demüthigen, entgegensah, in einen Streit auf dem festen Lande
einlassen, zumal nach der traurigen Lehre, welche es in dem furchtbaren fiebenjährigen
Kriege empfangen!
Allein auch Friedrich hatte nur die Waffen ergriffen, um — Frieden zu
erhalten, d. h. einen für Preußens Ehre und Vortheil erträglichen Frieden;
der Gedanke an Eroberungen lag ihm fern, er hätte ja dadurch seine Stellung
als Beschützer deutscher Stände und Rechtsverhältnisse vollkommen vernichtet,
und an dieser Stellung lag ihm mehr, als an einigen eroberten böhmischen
Kreisen, für welche er sich von Neuem die Eifersucht des ganzen Europa's
zugezogen hätte. Friedrichs größte Tugend war weise Mäßigung und Selbstbeherrschung,
nur nach dem unbedingt Erreichbaren zu streben; und so kam es,
daß sich 400,000 Mann kampfgerüstet in Böhmen gegenüberstanden und keine
Feldschlacht erfolgte. Bis in den Juli währten noch Unterhandlungen, da endlich
brach der König auf höchst beschwerlichen Wegen über Nachod in Böhmen
ein. Das östreichische Heer setzte in dem offenen Theil des Landcs nur geringen
Widerstand entgegen; nach unbedeutenden Vorpostengefechten wichen sie an die
feft vertheidigte Linie des Elbstroms zurück, welche Friedrich seinerseits zu überschreiten
anstand. Aehnlich ging es auf der Nordseite. Zu gleicher Zeit mit seinem
Bruder drang Heinrich von Dresden aus gegen Laudon vor, welcher ebenfalls
bis gegen Prag in stark befestigte Stellungen zurückging, und den Preußen die
Posten von Aussig und Dur, so wie die Magazine von Leitmeritz überließ.
Man hatte sich in Wien mit der Hoffnung geschmeichelt, daß es Friedrich
nicht im Ernst um einen Kampf zu thun wäre; als aber die Botschaft dort