Metadata : Württembergische Geschichtsquellen. Erster Band. (1)

2  Einleitung.

welcher  ausser  Steinkirchen  noch  Kocherstetten,  Michelfeld  und  Reinsberg
  gehörten,  auf  die  Pfarrei  Reinsberg  befördert.  Bei  der  Wiederablösung
  der  Obley  durch  das  Domkupitel  Würzburg  wurde  Herolt
von  letzterem  zum  Amtmann  über  die  Obley  bestellt.  Bald  nachher
wurde  er  zum  Dekan  des  Ruralkapitels  Hall  erwählt.  Wie  er  in
dieser  Eigenschaft  einen  Versuch  des  Haller  Rates,  der  Kleiderhofart
der  Pfuffenkonkubinen  zu  steuern,  mit  einer  Diplomatie,  die  freilich
einer  bessern  Sache  würdig  gewesen  wäre,  zu  vereiteln  wusste,  erzählt
llerolt  in  dem  Abschnitt:  „Was  die  von  Hall  gegen  den  Priestern
u.s.  €.  vorgenommen.“  Der  ältere  Herolt  lebte,  wie  viele  seiner
Haller  Amtsbrüder,  im  Konkubinate;  doch  ‚hatte  dieses  nachweisbar
bei  manchen  die  Formen  einer  festen  ehelichen  Verbindung  angenommen.
  1487  wird  in  einem  städtischen  Kaufbrief  (KHR.)  seine
Tochter  Agnes  erwähnt,  und  zwar  als  Besitzerin  eines  Hauses
zu  Hall  am  Milchmarkt,  in  der  Nähe  des  alten  Rathauses.  Dieses
Haus  wurde  zwar  von  Herolt  Vater  und  dem  Vormund  der  Agnes
um  210  fl.  verkauft,  nach  vier  Jahren  aber  um  dieselbe  Summe  zurückerworben,
  da  der  Kaufpreis  nicht  erlegt  worden  war.  Wie  die
Tochter  zu  diesem  Besitz  gekommen,  ist  nicht  zu  ermitteln,  jedenfalls
aber  wird  dieses  Haus  ihrem  jüngeren  Bruder,  dem  Chronisten,  während
  seiner  Schulzeit  und  später  für  seinen  öftern  Aufenthalt  in  Hall
eine  bequeme  Zufluchtsstätte  geboten  haben.

Herolt  ist  geboren  1490  und  hat  die  IHlaller  Lateinschule  besucht,
  an  welcher  um  1496  Heinrich  Sieder  wirkte.  Nicht  unwahrscheinlich
  ist,  dass  die  Romreise,  welche  Sieder  in  diesem  Jahre  behufs
  Erlangung  eines  Fastendispenses  für  die  Haller  und  eben  dadurch
einer  Steigerung  der  Beiträge  für  den  Bau  des  Michaelschors  zu  unternehmen
  hatte!),  auf  den  empfänglichen  Geist  des  Knaben  einwirkte.
Sicher  sind  die  ersten  BRegungen  des  Humanismus,  der  frühe  in  der
Haller  Lateinschule  Eingang  fand  und  an  Barthol.  Stich,  Martin
Mercator  (Kaufmann  von  Pforzheim)  und  Andreas  Althamer  entschiedene
  Vertreter  hatte?),  an  ihm  nicht  spurlos  vorübergegangen.
1507  bezog  er  die  Universität  Tübingen,  1512  wurde  er  dort  Magister,
und  1514  schon  erhielt  er  vom  Würzburger  Kapitel  die  Pfarrei
Reinsberg,  die  seit  seines  Vaters  Tode  1509  ein  Verwandter,  Peter:
Herolt  (1556  noch  «als  Frühmesser  von  Minkheim  vorkommend),
versehen  hatte.

1)  Programm  des  Gymnasiums  Hall  1888/89  S.  8.
?)  Prgr.  S.  10.  ff.