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Ideen, zu klar bestimmter Entschließung aber, zur Erkennung des moralischen
Gewichtes von Resolutionen kam es nicht. — Jene dunklen Ideen,
dieses Gefühl der Unsicherheit waren auch in der Leitung des Londoner
Kongresses zu erkennen. Deßwegen konnte auch der Kongreß keine praktischen
Resultate aufweisen.
Trotzdem sind die Erfolge des ersten Kongresses größer, als erwartet
wurde. — Der zweite Kongreß zeigte nun schon die Vortheile, welche der
Uebung eigen sind, und erreichte sichere thatsächliche Erfolge.
Daß der Kongreß zu Stockholm für die kontinentalen Verhältnisse
mehr greifbare Erfolge zu Tage förderte, können wir auch dem Umstande
zuschreiben, daß, während in London die englischen Sachverständigen und
die Vertreter der englischen Kolonien und der amerikanischen Staaten in
der Mehrheit waren, diesmal in Stockholm die europäischen Staaten die
Ueberzahl bildeten.
Die zur Beschlußfassung vorgelegten Fragen waren fast durchgängig
praktischer Natur und standen in den meisten europäischen Staaten ohnehin
gerade auf der Tagesordnung. Auch war die Vorbereitung der Verhandlungen
eine gründliche und alle wissenschaftlichen Richtungen umfassende.
Jede Frage wurde schon vor Jahren einzelnen anerkannten Autoritäten
zur Begutachtung vorgelegt. Die zeitweise eingelangten Referate wurden
in dem durch Martino Beltrani Scalia redigirten „Bulletin Internationalveröffentlicht
und endlich wurden dieselben durch die Munificenz des hochherzigen
und unermüdlichen Vorkämpfers für Gefängnißreform in einem
selbständigen Bande unter dem Titel „Rapports sur les qucstions à discuter
du congreès pénitentiaire international!“ (Rome. Imprimerie Artero
& Comp.) zusammengestellt. Dieses Werk wurde jedem Fachmanne,
der sich für die Frage interessirte, auf einfaches Verlangen ohne Entgelt
zugesendet.
Einen außerordentlich thätigen Antheil an den Vorarbeiten des Kongresses
bekundeten vorzüglich die Gelehrten Italiens. Eine jede auf die
Tagesordnung des Kongresses gesetzte Frage wurde in Italien einzeln erörtert
und die namhaftesten Männer beeilten sich, die wissenschaftlichen und
praktischen Ergebnisse in gediegene Referate zusammen zu stellen. Auch in
dieser Beziehung war es wieder M. Beltrani Scalia, dem die Anregung
wie auch die Redaktion der Arbeiten zu verdanken ist.
Die Referate wurden unter folgendem Titel veröffentlicht: „Relazioni
di scrittori italiani sui temi da discutere al Congresso penitenziario internazionale
che avrà luogo a Stocolma.“ Roma, Artero & Comp. 1878. — Wir
finden in dem stattlichen Bande unter Anderem die Arbeiten eines Tolomei
Giampaolo, Enrico Pesfina, De Foresta, Beltrani Scalia, Pietro Nocito,
Tancredi Canonico 2c., Namen, deren Autorität sich weit über die Grenzen
Italiens erstreckt.
Man beschränkte sich aber keineswegs auf diese Vorarbeiten. Die
internationale Kommission verschaffte sich auch die genaueste Kenntniß
über jene Personen in den einzelnen Staaten überhaupt, welche sich mit
der Frage des Gefängnißwesens wissenschaftlich beschäftigten, und ersuchte
diese Personen brieflich, ihre Meinungen, Erfahrungen und etwa gesammelten
Daten der Kommission gütigst mittheilen zu wollen. Das An-