ersireben, gehen tiber den Kreis der eigentlichen Krankenpflege und der ihr verwandien Geschäftszweige hinaus, indem sie
sich im Frieden auch sozial-polilischen, wie pädagogischen und ähnlichen gemeinnützigen @ebieten zuwenden.
Schliesslich sei noch der Ritterorden der Johanniter und Malteser gedacht, welche durch die von ihnen unterhaltenen Krankenhäuser,
in denen im Frieden ein männliches und weibliches Krankenpflegepersonal ausaebildei wird, und durch die
Delegierten, die sie auf den Kriegsschauplatz entsenden, dankenswerte Bilfe leisten. An der Spitze der gesamten freiwilligen
Krankenpflege im Deutschen Reich steht gegenwärfig als kaiserlicher Kommissar Graf Solms Barulh, an derjenigen des
deuischen Zeniralkomitees vom Roten Kreuz der Kammerberr der Kaiserin, Vize-Oberzeremonienmeister v, d. Knesebeck.
Die Leiterin der vaterländischen Frauenvereine ist die Gräfin £harloite von Ttzenplitz. Uletor %. $ttantz.
dm Ende des 18. Jahrhunderts und sodann nach den Beireiungskriegen bildeten sich einzelne Vereine, welche sich in den Das
F Ivierziger Jahren vermebrien und hauptsächlich den Zweck batfen, den ihnen angehörigen Veteranen eine würdige deutsche
Bestatiung zu gewähren. Aber nach den Einigungskriegen entstanden, wohl dem Zuge nach Vereinigung folgend, wie er Krieger:
sich durch das neuere Staatsleben eniwickelt hatte, Bunderte und Tausende von Kriegervereinen in ganz Deutschland. bereins:
Entsprechend der Einbeitsidee bildele sich 1873 der Deutsche Kriegerbund, der sich sehr schnell ausbreitete. Neben diesem wesen
enistanden aber zugleich Landeskriegerverbände in Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Bessen, deren Protektorat die von
Landesherren übernahmen. Man kann es bedauern, dass der Gedanke einer zentralen nationalen Leitung durch das ganze v. Bogus-Deuische
Reich nicht allgemein angenommen wurde, aber man muss zugestehen, dass die Bildung der Landesverbände der lawski.
bundesstaatlichen Verfassung Deutschlands entsprach. Auch in Norddeutschland bildeten sich Vereinigungen, die aus wirtschafllichen
Interessen es für besser hielten, nicht in den deutschen Kriegerbund einzutreten. Ganz entsprechend dem bekannten
Nationalfebler der Deutschen bat diese Trennung eine Reihe innerer Zwistigkeiten zur Folge gehabt. Ganz einig aber wurden
sämtliche Kriegerverbände in dem Gedanken, ihrem Feldherrn, dem dahingeschiedenen. grossen Kaiser, ein Denkmal auf dem
Kyffhäuser zu setzen, ein Gedanke, der bewunderungswürdig durchgeführt wurde. An die Errichtung des Ständigen Kuifhäuser
Ausschusses knüpfte sich nun das erneute Streben nach einem allgemeinen Zusammenschlusse der deutschen Kriegervereine, aber
auf der Grundlage der Landesverbände. Zu diesem Behufe wurde 1899 auch ein Preussischer Landeskriegerverband unter den
Protektoral Sr. Majestät des Kaisers und Königs begründet. Mit dieser Wendung hat das Kriegervereinswesen folgende Gestallung;:
Der Ständige Kyfihäuser Ausschuss, welcher nicht nur die Erhaltung des Denkmals, sondern auch alle gemeinsamen Fragen
in den Kreis der Beralung zieht; der Deutsche Kriegerbund, dessen wichligstes Mitglied der Preussische Landeskriegerverband
ist. Ausser diesem grossen \erbande bestehen: der Bayrische Weleranen-Krieger- und Kampigenossenverband; der Sächsische
Militärvereinsbund; der Württembergische Kriegerbund ; der Badische Mililärvereinsverband; die Kriegerkameradschaft Bassia
und einige kleinere Landesverbände. Die Zahl der Vereinsmitglieder beträgt etwa anderthalb Millionen.
Man kann hieraus ersehen, dass eine weitere Entwickelunag des Kriegervereinswesens hoffentlich allmählich eintreien und sich
in einem engeren Zusammenschluss der Landesverbände vollziehen wird.
Der Deutsche Kriegerbund und die Landesverbände haben sehr umfangreiche wirtschaftliche Einrichtungen und üben eine
arosse soziale Chäligkeit aus. Der Deutsche Kriegerbund hat allein eine Unterstülzunaskasse von 210000 Mark. Er unterhält
ein evangelisches (Waisenhaus für II6 und ein katholisches für 65 Kinder. — Ausserdem existieren noch mehrere kleinere
Unterstülzungsfonds, und die Bundeszeitung „Parole“, der vom Bunde herausgegebene Kalender, das „Jahrbuch des Bundes“,
die „Kriegerfechtanstalt“ liefern Beiträge. Der-Bund hal 1898 an Unterstützungen und für die Waisenpilege 176674 Mark
ausgegeben; seit 1874 zablte er an Unterstützungen 1097500 Mark. Er besitzi eine Sterbekasse, aus der seit seinem
Bestehen 350000 Mark gezahli wurden, und bat für den Kriegsfall Sanitätskolonnen organisiert, Die Zahl der bierzu
angemeldeten Mannschaften beträgt 11299,
Wenn man bedenkt, dass die Landesverbände in gleicharliger Weise wirken, so wird man die wirtschaflliche Bedeiiung
des Kriegervereinswesens zugestehen müssen.
Die einzelnen Vereine sind zumeist aus ehemaligen Angehörigen eines Cruppenteils zusammengeseizt und führen ihre
eigenen Kassen. Sie halten Geschäftsversammlungen und gesellige Zusammenküntte aller Art ab.
Sämiliche Kriegervereine, in weichen jetzi noch die Kämpfer aus den Einheilskriegen den Stamm bilden, in die aber jeder
entlassene unbescholtene Soldat einireien kann, sind auf der Grundlage der Creue zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland
errichtel. Sie haben weiter den Zweck, die Kameradschaft, wie beim Regiment, den nalionalen Gedanken, die Liebe und
Achtung vor dem Beldenlum hochzuhalten. Die Politik war durch ihre Salzungen ausgeschlossen, seit:jedoch die Sozialdemokratie
versuchle, sich in diese Vereine einzudrängen, erwachte mit Rechi das Bewusstsein, dass die Grundsätze dieser
Pariei mil denen der Kriegervereine ganz unvereinbar seien. €s wurde die Gegnerschall aegen die Sozialdemokratie offen
erklärt und wird überall durchgeführt.
Bicht nur durdy Linderung der Not aber wirken die Kriegervereine, sondern sie bringen auch die verschiedenen Stände sich
menschlich näher. Wer ihren Zusammenkünften und Sesten beigewohni hat, der ist dessen recht inne geworden. Bier
irischen alte Offiziere und Soldaten ihre Erinnerungen zusammen auf; es gleichen sich Härten und Vonurteile aus; hier
verschwinden die Unterschiede der einzelnen bürgerlichen Parteien, und die Familien des wohlhabenden Kauimanns und des
Beamten sitzen neben der des Cagearbeiters. Bier findel man mit einem Wort die wahre @leichheit. Das deutsche Kriegervereinswesen
ist im Uaterlande eine Macht geworden. Seine Unterstützung und Erhaltung kann von unberechenbarem
Nutzen für die Zukunft unseres Volkes sein. v. Boguslawski, Generalleutnant 2. D.
Haalswesen 10