Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Sechster Band. (6)

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In  Köln  wurde  stets  das  Thier  getödtet,  und  die  Pustelfläche  ohne  Anwendung
desinfizirender  Mittel  gereinigt,  worauf  die  Pusteln  mit  einem  in  Alkohol  aufbewahrten,
vor  dem  Gebrauche  abgebrannten  Volkmann'schen  Löffel  ausgekratzt  wurden.  Bei  der  nur
mit  der  Hand  erfolgenden  Verreibung  wurde  allmählich  Wasser  und  zuletzt  das  Glycerin
zugesetzt.  Die  Vorderärmel  des  in  der  Anstalt  gebräuchlichen  leinenen  Arbeitsmantels
wurden  vor  jedesmaligem  Gebrauch  sterilisirt,  die  Hände  mit  Bürste  und  Ubriginseife  gehörig
behandelt  und  mit  absolutem  Alkohol  desinfizirt.  Der  größte  Theil  des  Impfgeschäfts
wurde  mit  10  fach  verdünnter  Lymphe  ausgeführt;  für  Militärzwecke  wurde  5  fach  verdünnte
Lymphe  geliefert.

Zur  Vermeidung  des  Füllens  der  Kapillaren  durch  Ansaugen  mit  dem  Munde  wurde
aus  einem  Gummiballon  A,  einer  als  Windkessel  dienenden  Flasche  B,  zwei  Stopfen  F,
zwei  Stücken  Gummischlauch  C0,  einigen
Endchen  Glasröhre  E  und  einem
Quetschhahn  D  ein  Apparat  hergestellt,
dessen  Saugwirkung  auf  der  Ausdehnung
  des  zusammengedrückten  Gummiballons
  beruht.  Soll  der  Apparat  in
Thätigkeit  treten,  so  wird  zuerst  der
Quetschhahn  geöffnet,  dann  der  Ballon
zusammengedrückt  und  sodann  der  Quetschhahn
  wieder  geschlossen.  Wird  jetzt  der
Quetschhahn  geöffnet,  so  entsteht  eine
leichte  Saugwirkung,  weil  der  Gummiballon  seine  natürliche  Gestalt  wieder  anzunehmen
bestrebt  ist;  durch  dies  Saugen  füllt  sich  die  inzwischen  eingesteckte  Kapillare  G  aus  dem
untergesetzten  Behälter  H  mit  Lymphe.  Durch  das  Schließen  des  Hahnes  läßt  sich  die
Saugwirkung  jederzeit  unterbrechen.  Aus  praktischen  Gründen  kann  das  Glasröhrchen  1
bauchig  beschaffen  sein.

Dieser  einfach  herzustellende  Apparat  ist  leicht  vollkommen  sauber  zu  halten  und
arbeitete  bisher  vorzühglich.

In  München  wurde  die  Lymphe  zu  verschiedenen  Zeiten,  nämlich  nach  73  bis
118  Stunden  abgenommen.

In  Dresden  erfolgte  die  Abimpfung  meist  nach  4,  im  Ganzen  oft  auch  nach  5,
vereinzelt  nach  41/3  und  6  Tagen,  einmal  auch  zu  verschiedenen  Zeiten,  nämlich  zur  Hälfte
nach  4,  zur  andern  nach  5  Tagen.

In  Leipzig  wurde  bei  den  ersten  10  Kälbern  (bis  Mitte  Mai)  nach  96,  von  da
ab  schon  nach  84  Stunden  zur  Abnahme  geschritten.  Die  gewonnenen  117,,  g  Rohstoff
wurden  mit  720  g  Glycerin  und  etwa  70  g  destillirtem  Wasser  verrieben.  Der  fertige
Impfstoff  wurde  in  2276  Röhrchen  zu  10  bis  80  Portionen  für  die  öffentlichen  Impfungen
und  in  2019  Röhrchen  zu  Einzelimpfungen  für  Privatärzte  gefüllt.

In  Bautzen  verflossen  zwischen  Impfung  und  Abnahme  stets  96  Stunden.

Aus  Stuttgart  wird  über  die  Abnahme  der  Lymphe  wie  folgt  berichtet:

„Nach  gründlicher  Abseifung  und  Abbürstung  der  Thierpocken  wird  noch  ein  reichlicher  Strahl
ausgekochten  Wassers  aus  einem  über  dem  Impftisch  hängenden  Irrigator  über  den  Unterleib  des  Thieres
gegossen,  das  überschüssige  Wasser  mit  sterilisirten  Handtüchern  aufgetrocknet  und  die  reihenweis  geordneten

Pocken  mit  einem  nicht  allzuscharfen  Löffel  bei  gespannter  und  dadurch  blutleer  gemachter  Haut  abgekratzt.
Wenn  die  Pocken  zuvor  mit  warmem  Wasser  genügend  erweicht  waren,  eventl.  unter  einem  feuchtwarmen,