178 Die Universitäten.
Die bei Vermeidang einer Gefahr des Scheiterns im Auge zu behaltenden
thatsächlichen Verhältnisse sind aber im Wesentlichen folgende. —
Einerseits muss die bereits durch Erfahrung genugsam erprobte Abneigung
der Professoren, sich an einer solchen Nachhülfe für den Einzelnen zu betheiligen,
als nun einmal bestehend hingenommen werden, mag man sie
nun billigen oder nicht. — Andererseits steht der Grundsatz der Lernfreiheit,
in ihrem richtigen, oben bezeichneten Sinne genommen, als ein
wesentlicher Bestandtheil unseres Universitätssystemes fest; nur eine denselben
schonende Einrichtung ist also zulässig. Es ist ferner nicht zu
übersehen, dass die Hochschulen sehr verschiedene Studienkreise umfassen;
ferner dass auf besuchten Anstalten und bei berühmten Lehrern die gleichzeitigen
Zuhörer sehr zahlreich sein können, hier also ein auf andere
Fächer oder für wenige Studirende ganz wohl anwendbares Mittel durchaus
ungenügend und unanwendbar wäre. Sodann muss es immerlin als eine
Thatsache gelten, dass wenigstens zunächst die Studirenden grossen Theiles
einer neuen Einrichtung abgeneigt sein werden, welche sie als eine Beeinträchtigung
ihrer bisherigen Freiheit auffassen können; und dass eine
Ueberwachung und lHerbeiziehung derselben bei der Vereinzlung ihrer
Wohnungen und bei der, sehr leicht wenigstens vorzuschützenden, grossen
Verschiedenheit des Collegienbesuches und damit der Zeiteintheilung der
Einzelnen, grossen Schwierigkeiten unterliegt. Endlich ist die grosse Zahl
der Universitäten und die auch itzt noch immerhin beträchtliche Anzahl
von selbstständigen Staaten, welchen dieselben angehören, in so ferne von
wesentlicher Bedeutung, als eine neue und ohne Zweifel tief eingreifende,
schwer durchzuführende und auch beträchtliche Opfer erfordernde Anstalt
sicherlich nicht auf allen Universitäten zugleich und in derselben Weise
zu Stande kommen würde, die in der alten Freiheit, freilich auch in
dem alten Unfuge, verharrenden aber cine grosse Anziehungskraft bekommen
und für kürzere oder längere Zeit erhalten könnten.
Was nun aber die Auffindung der Mittel betrifft, um dem Zweck innerhalb
des Kreises der bezüglichen Thatsachen gerecht zu werden, so liegt
unverkennbar hier eine ausserordentlich schwierige Aufgabe vor. Es muss
ein für die Ertheilung des fraglichen Unterrichtes taugliches und hinreichend
zahlreiches Personal gefunden werden; es ist eine Organisation der Einrichtang
zu ersinnen, welche deren Benutzung den Studirenden ohne
Störung der regelmässigen Vorlesungen möglich macht; es ist endlich erforderlich,
dass ein ausführbarer und wirklich sich fühlbar machender,
mittelbarer oder unmittelbarer und doch mit den allgemeinen Universitätssitten
vereinbarer Zwang zur Benützung ausfindig gemacht wird. Diess
alles aber ist durchzusetzen gegen einen höchst wahrscheinlichen entschiedenen
Widerstand der akademischen Korporationen, welche natur-