Metadata : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1870. (47)

III.  Vollendung  und  Bankeroll  des  ständischen  Regiments.  3öU33

Wie  er  damals  zu  ihm  seine  Zuflucht  genommen,  so  ist
Georg  Wilhelm  fortan  von  Adam  von  Schwartzenberg  abhängig
  geblieben.  Mehr  als  ihn  selbst  haben  Mit=  und  Nachwelt
diesen  für  das  Elend  verantwortlich  gemacht,  das  über  Brandenburg
  kam.  Doch  ist  Schwartzenberg  eigentlich  erst  in  der  kurzen
Zeit,  die  Georg  Wilhelms  Nachfolger  ihn  widerwillig  im  Amte
lassen  mußte,  in  den  üblen  Ruf  gebracht,  den  die  neuere  Forschung
  von  ihm  zu  nehmen  begann.  In  ihm  erstand  der  Libertät
  der  märkischen  JZunker  der  erste  große  Gegner.  Zwar  nicht
von  Haus  aus  war  er  das:  er  wurde  es  durch  die  Erfahrung
und  mit  seinen  Zwecken  wachsend.  Selbstlose  Hingabe  an  das
Ideal  freilich  war  jener  Zeit  fremd,  und  ohne  Egoiomue  erreichte
  auch  sachlich  berechtigtes  Streben  nichts.  Bei  Nichelien
und  Cromwell  hat  ihn  der  Erfolg  gerechtfertigt.  Schwartzenberg
  litt  nach  Jahren  des  Kampfes  in  dem  Moment  Schiffbruch,
  wo  er  zu  triumphieren  schien,  und  das  bestimmte  auf
lange  hin  das  Urteil  der  Nachwelt.

Als  Sprößling  eines  rheinischen,  seit  1429  reichofreiherrlichen
  Rittergeschlechto,  das  in  Jülich  und  Mark  größere  Güter
erworben,  war  Adam  von  Schwartzenberg  am  26.  August  1584
geboren.  Die  Verdienste  seines  Vaters  Adolf,  der  sich  als  kaiserlicher
  Oberst  im  Türkenkrieg  durch  die  Eroberung  von  Raab
(1599)  Nuhm  und  den  erblichen  Reichsgrafenstand  erworben
hatte,  sicherten  ihm  die  Gunst  des  Wiener  Hofes,  wo  namentlich
  Kardinal  Khlesl  sein  Gönner  war.  Auch  Graf  Adam
zeichnete  sich  gegen  die  Türken  so  aus,  daß  Heinrich  IV.  von
Frankreich  ihm  den  Michaelsorden  verlieh.  Glücklicher  noch  war

er  früh  in  Finanzgeschäften  —  ein  Zug,  der  ihm  eigen  blieb
und  manchen  Feind  machte.  Durch  seine  Güter  —  die  Mutter,

eine  Wolf-Metternich,  hatte  zu  Gimborn  in  der  Grafschaft  Mark
ihren  Witwensitz  —  den  Ständen  von  Jülich-Cleve  angehörig,
ergriff  er  die  Partei  der  prätendierenden  Häuser,  vereitelte
einen  Ueberfall  der  kaiserlichen  Parteigänger  zu  Düsseldorf  gegen
die  beiden  Statthalter  und  rettete  Düren  vor  Erzherzog  Leopold.
  Dafür  geächtet  und  in  seinem  Vermögen  schwer  geschädigt,
  trat  er  am  1.  November  1610  als  geheimer  RKammerrat
  und  Oberkammerherr  in  Johann  Sigiomunds  Dienst,  fand