Full text : Geschichte der Hohenzollern.

Joachim  I.  befahl  daher  sofort  den  Prozeß  gegen  ihn  einzuleiten,  in  Folge
dessen  der  Angeklagte  seines  Frevels  überführt  und  enthauptet  wurde.  Dieses
strenge  Verfahren  fand  zwar  die  allgemeine  Billigung  aller  rechtlichen  Leute,
mißfiel  jedoch  nicht  wenig  allen  denen,  welche  in  näherer  Verbindung  mit  dem
Uebelthäter  standen  oder  bei  Gelegenheit  zu  ähnlichen  Ausschweifungen,  die,
wie  wir  aus  früheren  Berichten  gesehen  haben,  vordem  zu  dem  Zeitvertreibe
zügelloser  Schloßherren  gehört  hatten.  Einer  von  diesen  Mißvergnügten,  die
Geschichtsschreiber  jener  Zeit  nennen  ihn  von  Otterstedt,  trieb  seine  Frechheit  so
weit,  daß  er  an  die  Thür  des  kurfürstlichen  Schlafgemaches  schrieb:  „Jochimke,
Jochimke,  hüde  dy!  fangen  wy  dy,  so  hangen  wy  dy“!  Der  Freche  ließ  es
bei  diesen  Drohungen  nicht  bewenden,  sondern  schritt  mit  seinen  Genossen  zu
offenem  Hochverrath.  Mit  einer  starken  Zahl  Reiter  legten  sie  sich  in  der  Heide
auf  der  Straße  nach  Köpenick,  wo  der  Kurfürst  eines  seiner  hauptsächlichsten
Jagdschlösser  hatte,  in  Hinterhalt.  Letzterer  befand  sich  schon  mit  geringer  Begleitung
  auf  dem  Wege  dahin,  und  wäre  in  die  verrätherisch  gelegte  Schlinge
gefallen,  wenn  er  nicht  zur  rechten  Zeit  von  einem  Bauer,  der  die  Wegelagerer
in  dem  Dickicht  des  Waldes  bemerkt  hatte,  gewarnt  und  zur  rechten  Zeit  umgekehrt
  wäre,  um  sich  mit  einer  hinreichenden  Bedeckung  zu  versehen.  Nun
waren  jene  die  Ueberlisteten  und  fielen  der  strafenden  Gerechtigkeit  in  die  Hände.
Das  schuldige  Haupt  des  Verräthers  wurde  auf  eine  eiserne  Stange  gesteckt
und  auf  dem  Thore  von  Köpenick  zur  Warnung  für  ähnliche  Uebelthäter  aufgepflanzt.
  Allein  auch  Fürbitten  und  reiche  Lösesummen  retteten  die  Verbrecher
nicht.  Als  ein  Adliger  aus  vornehmem  mecklenburgischen  Geschlecht  in  Verbindung
  mit  andern  berüchtigten  Räubern  auf  der  That  ergriffen  und  nach  Berlin
geführt  war,  ward  er  ohne  Gnade  zum  Tode  verdammt,  und  obschon  der  Herzog
  von  Mecklenburg,  der  damals,  um  seine  Braut,  die  Markgräfin  Barbara,
zu  erwarten,  nach  Berlin  gekommen  war,  des  Kurfürsten  eigener  Bruder  so
wie  seine  Gemahlin  um  Schonung  baten,  wich  er  von  seinem  einmal  gefaßten
Entschlusse  dessenungeachtet  nicht  ab.  Da  bot  die  Familie  des  Verurtheilten  seine
ganze  Habe  als  Lösung  an,  doch  unwillig  wies  Joachim  das  Anerbieten  mit
den  Worten  zurück:  „Und  wenn  er  mir  100,000  Gulden  gäbe,  so  würde  ich
den  Gang  des  Rechtes  nicht  ändern!“

Eine  so  ernste  Handhabung  der  Gerechtigkeit  erschien  selbst  manchem  seiner
  fürstlichen  Freunde  zu  streng.  Unter  andern  soll  ihn  auch  sein  Oheim  Friedrich
  ermahnt  haben,  er  solle  nicht  so  viel  adliges  Blut  vergießen.  Auf  diese
Rüge  antwortete  der  junge  Kurfürst  ebenso  scharf  als  treffend,  er  habe  nur  die
Gerechtigkeit  walten  lassen,  er  wisse  sehr  wohl,  daß  er  Räuberblut  in  gebührender
  Strafe,  nicht  aber,  daß  er  adeliges  Blut  vergossen  habe.

Trotz  dieser  unbeugsamen  Strenge  sprechen  ihn  seine  Zeitgenossen  von
jeder  Grausamkeit  frei.  In  dieser  Festigkeit  sahen  sie  nicht  tyrannischen  Sinn,
sondern  nur  das  Pflichtgefühl  eines  Mannes  und  Fürsten,  der  seine  große  Aufgabe
  richtig  erkannt  hat.  In  allen  anderen  Verhältnissen  zeigte  er  sich  milde,