100 Johann Herolt
Zu zeit diser zwitracht anno domini 1340 war gar vil adels
unnd alter geschlecht zu Hall, welcher wappen zum teil oben angezeigt,
ettlich mir unwissent.
Gleicher ')®, Syder?), Schonberg?), Schulttheis, Lacher‘),
a) Bleicher 4%, auch Schünhuth auf Grund fulscher Lesung.
den Judenschutz. — Das im Freihetenbuch enthaltene urkundliche Material,
das über den ganzen Vorgang und üher seine weitgreifenden Folgen — Auszug
vieler Adelsgeschlechter und feindseliges Gebahren derselhen — Aufschluss
gieht, besieht in folgzndem. 1. Brief von Graf Ulrich von Wirtemberg, Heinrich
von Zipplingen, Burkard Sturmfeder und Conrad (rrosse, in yleicher
Sache und mit gleichem Wortlaut wie der folgende, dat. Hall Sonutag ror
Matthäl (= 17. September) 1340. 2. Der ohen nach seinem Inhalt vorgeführte
Brief des Kaisers Ludwig, vom 19. Septemher 1340. 3. Brief Kais:r Ludwigs,
Donauwörth an St. Matthäus Abend (20. September) 1340, worin er die Bürger
zu Hall, der Misshellung halben, wieder gu Gnaden annimmt. 4. Brief Kaiser
Ludwigs dat. Vilshofen Sonntag vor Unser Frauen Lichtmess (= 28. Januar)
1341, worin die von den Kommissären zu stande gebrachte Versöhnung bestätigt
wird. Den Zuwiderhandelnden wird gedroht, dass sie mit Leib und Gut dem
Reich verfullen und 10 Meilen von der Stadt verbannt scin sollen. 5. In einem
an Unser Frau:n Abend in der JWasten (24. Mürg) 1341 datierten Brief giebt
Kaiser Ludwig dem Schultheissen und dem Bürgermeister in Hall Vollmacht,
der ausgetriebenen Bürger zu Hall Güter von Reichs wegen zu verkaufen, zu
geben, zu leihen. 6. In einer Urkunde ron demselben Tag gebietet der Kaiser
den augenblicklichen Inhabern von Gütern und Schuldforderungen der Ausgetrieben,
diese Güter und Schulden dem Schultheissen auszufolgen. 7. Eine
Urkunde Nürnberg Samstag nach Bonifaz (8. Juni) 13423 enthält einen durch
Kaiser Ludwig zwischen den gesessenen Bürgern eu Hall und den ausgebotenen
gemachten Vertrag, wornach die ausgetriebenen ihre Güter um den Preis,
wie sie verkauft sind, wieder haben, aber mit Weib und Kind ihr Leben lang
die Stadt meiden und bei 3 Meilen nicht dahin kommen sollen. 8. Endlich in
einem Brief von Freitag nach St. Niklaustag (8. Dez.) 1346 bestimmt Kaiser
Ludwig, dass alle, die bisher bei den Hallern Erbbürger und Erbbürgerinnen
gewesen und nun von ihnen gefahren sind oder die noch von ihnen fahren, die
„in zwayen Armbrostschutzen auswendig der Stadt“ (d. h. wohl auf die Weite
von 2 Armbrustschüssen im Umkreis) bei ihnen gesessen sind, von allen ihren
Gütern Steuer und Beth mit ihnen geben sollen. Wer sich dem nicht füge, soll
mit Weib, Kind und Gesinde aus der Stadt verbannt sein, wer die Stadt trotzdem
betrete, dessen Leil und Gut sollen die Haller angreifen dürfen. Über
diese Zwielracht überhaupt s. Hausser, WIr. 9, 222 ff, O4Hall 161.
) St! gieht die Namen in drei Columnen, welche aller Wahrscheinlichkeit
nach nicht, wie Schönhuth gethan (s. dessen Ausgabe 31 f.) von oben nach
unten, sondern quer herüber zu lesen sind.
%) Sieder.
”) Od Haag bei Untermünkheim gesessen.
*ı Löcher, Jecher, s. oben N. 55.