432 Abszeß.
Es gibt auch sogenannte „kalte Abszesse“, welche sich sehr langsam
entwickeln, oft sehr umfangreich werden und mit schwerem Verfall verbunden
sind.
Laien, also Nichtärzte, können weder den Sitz eines Abszesses richtig
feststellen, noch seine Behandlung in allen Fällen immer richtig beurteilen, es
muß also vor Selbstbehandlung desselben gewarnt werden.
Behandlung. Bei beginnenden Furunkeln mache man sofort heiße
Aufschläge und zwar am besten mit Brei, den man in Säckchen füllt und
über Dampf erwärmt. So heiß, als man fie ertragen kann, legt man sie
auf. Leinsamen, Kleie, Semmelbrei in der Not usw., halten die Hitze
recht lange fest, und darum handelt es sich in erster Linie dabei. Die Wärme
wirkt erweichend, verteilend, lösend, die Haut über der eiternden Stelle wird
dünner und reißt endlich ein; Schmerz und Spannnng lassen sofort nach,
sowie der Austritt des Eiters erfolgt. Dann ist der Zeitpunkt für eine andere
Behandlung gekommen. Ein offener Furunkel ist eine Wunde, und diese muß
reinlich und sorgfältig behandelt werden, erstens damit keine unreinen Stoffe
eindringen und zu neuer Entzündung Veranlassung geben, zweitens damit
der Eiteranstritt unterstützt und dadurch eine vollständige Ausheilung angebahnt
wird. Ein zu schneller Verschluß eiternder Wunden ist von großem Übel
und hat meist nur die Entstehung neuer Furunkel oder in die Tiefe gehender
Entzündungen zur Folge. Es ist also von Wichtigkeit, daß längere Zeit
„Eiter gezogen“ wird, was wir vortrefflich durch Anwendung des lanen
Wassers erreichen. Man läßt in diesem Stadium also keinerlei Breimassen
in die Wunde kommen und wechselt die weißen und weichen Läppchen aus
Gaze allstündlich. Auf diese legt man etwas Watte und befestigt diesen
einfachen Verband unter Vermeidung schmerzhaften Druckes mit Gaze oder
Leinenbinden. Gleichmäßige Temperatur, aufsangungsfähige Stoffe zum Verschluß
und größte Reinlichkeit find die Hauptbedingungen zu einer günstigen
Heilung. Das reinste Wasser zur Wundbehandlung ist abgekochtes, das man
wohlbedeckt abkühlen läßt und dann mit etwa 30° C. anwendet.
Warme Bäder von 30 bis 38° C. und viertelstündiger Dauer oder wo
sich solche nicht ausführen lassen, laue Ausspülungen mit einer kleinen Spritze
sind sehr wohltätig. Geht die Heilung der offenen Geschwüre zu langsam
von statten, so ist eine leichte örtliche Reizung in Form kühler Nachspülungen
(24°0 sehr wirksam. Von Anfang an muß die Allgem eeinbehandlung im
Auge behalten und die wahrscheinlichste Krankheitsursache beachtet werden.
Milde, leichtverdauliche Kost, Gemüse und Obst im Vordergrund, unter Umständen
streuge vegetarische Kost, Ruhe oder Bewegung je nach vorhandenen
Kräften und der Art der Furunkel, Ganz= und Teilbäder nach ärztlicher
Verordnung, ebenso Packungen oder Schwitzbäder usw. werden eine Verbesserung
der Säfte, eine Beförderung des Stoffwechsels und dadurch auch
eine schnellere Ausheilung des übels zur Folge haben. Heißluftbäder