Metadata : Tagebuchblätter. Zweiter Band. (2)

24.  Juni  1877  Dreiundzwanzigstes  Kapitel  447

den  Anfängen  der  Wandlung  in  Karlsruhe  müssen  noch  eine  Anzahl
von  Mittelgliedern  liegen,  von  denen  ich  nichts  in  Erfahrung  bringen
konnte.  Möglich,  wenn  auch  vielleicht  nicht  recht  glaublich,  daß
man  eine  hohe  Dame  damit  in  Verbindung  bringen  darf,  die  in
reifem  Witwenstande  sich  durch  einen  charmanten  Geistlichen  zur
allein  seligmachenden  Kirche  bekehren  ließ  und  nun,  den  gewöhn—
lichen  Eifer  der  Konvertiten  entwickelnd,  für  den  Frieden  mit  Rom
arbeiten  zu  müssen  glaubt  und  nicht  weiß,  daß  Rom  nur  Unter—
werfung  oder  Waffenstillstand  kennt.  Mit  größerer  Bestimmtheit
dürfen  wir  annehmen,  daß  körperliche  Zustände,  seelische  Stim—
mungen,  ein  Gefühl  des  Unbefriedigtseins  und  mancher  andre  und
interessantere  Besuch  außer  dem  der  beiden  Professoren  beigetragen
haben,  eine  edel  angelegte  Natur  Zwecken  dienstbar  gemacht  haben,
die  für  andre  leichter  erkennbar  sind  als  für  diese  Natur  selbst.
Daß  Rom  nicht  wie  auf  Luthern,  sondern  ähnlich,  wenn  auch  nicht
so  durchschlagend,  wie  auf  Mortimer  gewirkt  hat,  und  daß  die
feinen  Monsignores  daselbst  die  Gelegenheit  wahrzunehmen  versucht
haben,  konnten  sich  Kenner  der  Umstände  und  Personen  denken,
auch  wenn  Wiener  Blätter  nicht  auf  eine  dort  gelegte  Falle  angespielt
  hätten.  Es  ist  vielleicht  ein  Glück  gewesen,  daß  die  friedfertigen
  Versicherungen  der  #hoch  gestellten  Personen  im  Vatikane
schon  am  12.  März  durch  die  Kreuzzugsallokution  des  heiligen
Vaters  illustriert  wurden.

„Alles  das  ist  für  patriotisch  denkende  Gemüter  sehr  traurig,
wird  aber  an  einer  verwandten  Stelle  um  so  mehr  erfreuen,  wo
man  seit  Jahren  schon  ähnlich  empfindet  und  wirkt,  und  wo  man
diese  Hilfe  beim  Geschäft  des  Friedenstiftens  bestens  auszunutzen
wissen  wird.“