Full text : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

Zurückziehung  der  russischen  Truppen  vorgesehen  war,  aber  der
„Regierungsbote“  fügte  hinzu,  daß,  wenn  China  aus  irgend  einem
Grunde  seine  Verpflichtungen  nicht  erfülle,  Rußland  sich  nicht
mehr  an  die  Bestimmungen  des  Vertrags  halten  werde.  Es  folgte
dann  die  Belebung  der  schon  erwähnten  Holzgeschäfte  am  Yalu,
an  denen  vornehme  und  einflußreiche  Kreise  in  Petersburg  be—
teiligt  waren,  und  die  Errichtung  der  Statthalterschaft  für  den
fernen  Osten.  Die  russische  Presse  gab  sich  den  Anschein,  den  Ver—
sicherungen  der  englischen  zu  glauben,  daß  das  neue  Bündnis  nur
friedlichen  Charakters  sei,  und  zeigte  weiterhin  mehr  Aufmerksamkeit
  für  Persien  und  Afghanistan,  als  ob  hier  in  Zentralasien  der
Gegenstoß  gegen  den  englischen  Beistand  Japans  in  Ostasien  geführt
  werden  sollte.  Der  diplomatische  Gegenzug  des  amtlichen
Rußlands,  eine  an  die  Unterzeichner  des  Pekinger  Protokolls  vom
7.  September  1901  gerichtete  gemeinsame  russisch-französische  Erklärung
  der  Solidarität  beider  Verbündeter  auch  für  die  Aufrechterhaltung
  des  Status  quo  in  Ostasien,  erweckte  zuerst  den  Eindruck
der  Bestätigung  eines  Ausspruchs  des  deutschen  Kanzlers.  Um
Besorgnisse  wegen  Erneuerung  des  Dreibunds  zu  beschwichtigen,
hatte  Graf  Bülow  am  8.  Januar  1902  einen  Vergleich  zwischen
der  Zeit  des  Abschlusses  des  Bündnisses  mit  Osterreich-Ungarn
1879  und  der  Gegenwart  gezogen  und  dabei  gesagt:  „Zu  jener
Zeit  trieben  wir  nur  europäische  Politik.  Die  Kombinationen
gingen  nicht  über  das  Mittelmeerbecken  hinaus.  Heute  umspannt
die  Politik  aller  großen  Mächte  den  ganzen  Erdball.  Ich  glaube,
daß  es,  seit  es  eine  Geschichte  gibt,  wohl  nie  eine  Zeit  gegeben  hat,
wo  gleichzeitig  so  viele  mächtige  Reiche  existierten.  Daraus  entwickelt
  sich,  wenn  ich  mich  so  ausdrücken  darf,  ein  System  der
Gegengewichte,  welches  naturgemäß  auch  ohne  besondere  Verabredung
  hinwirkt  auf  die  Erhaltung  des  Weltfriedens.  Denn  es
gibt  keine  Macht,  die,  wenn  sie  in  Europa  nach  der  einen  Seite
Krieg  führen  wollte,  sich  nicht  sagen  müßte:  Was  geschieht  aber
inzwischen  hinter  meinem  Rücken?  Denn  überall  kann  man  die
Augen  schließlich  nicht  haben.“

Sah  es  nach  dem  Abschluß  des  englisch-japanischen  Bündnisses
und  der  darauffolgenden  Erklärung,  daß  Frankreich  und  Rußland
auch  in  Ostasien  zusammenhalten  würden,  nicht  so  aus,  als  ob  an

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