Full text : Gemeindefinanzen. Erster Band. (1)

—  241  —

C.  Todesfälle  im  Kindbett  bezw.  an  den  Folgen  der  Entbindung.

Zum  Vergleich  eignen  sich  endlich  noch  die  aus  den  4  Hauptstädten  vorliegenden
Zahlenangaben  über  die  Sterbefälle  weiblicher  Personen  im  Kindbett  bezw.  an  den
Folgen  einer  Entbindung.  Bei  einer  Zusammenstellung  derselben  sollen  Altersgrenzen
  der  Verstorbenen  nicht  innegehalten  werden,  denn  es  empfiehlt  sich  aus  naheliegenden
Gründen,  solche  Todesfälle  nicht  auf  eine  gewisse  Zahl  Lebender,  sondern,  soweit  angängig,
auf  die  gleiche  Zahl  entbundener  Personen  zu  reduziren.  Da  indessen  statistische  Erhebungen
über  die  Zahl  der  letzteren  in  der  Regel  nicht  stattfinden,  ist  unter  der  Voraussetzung,  daß
auf  jede  entbundene  Frau  ein  geborenes  Kind  kommt,  ermittelt  worden,  wie  viele  Todesfälle
im  Kindbette  auf  je  1000  lebend=  und  todtgeborene  Kinder  entfallen  sind.
Die  Zahl  der  entbundenen  Frauen  entspricht  zwar  dieser  Kinderzahl  nicht  genau,  sie  wird
vielmehr  in  Folge  der  Zwillings  2c.  -Geburten  etwas  geringer,  andererseits  in  Folge  der
Entbindungen  von  unreifen  Früchten  (Fehlgeburten)  etwas  größer  sein,  doch  fallen  diese
Ungenauigkeiten  für  Vergleichszwecke  nicht  sehr  in's  Gewicht.Ek

Während  der  Jahre  1891  bis  einschließlich  1893  wurden

in  in  in
Berlin  Wien  Paris
a.  lebendgeboren52793  141  281  176  589
b.  todtgeboren  4673  8321  12  480
zusammen  157  466  149  602  189  069

Diesen  geborenen  Kindern  sind  folgende  Todesfälle  eben  entbundener  Personen  zur
Seite  zu  stellen,  wobei  ausdrücklich  bemerkt  sein  soll,  daß  für  Berlin  die  Zahl  der  laut
Hest  132  und  135  der  Preußischen  Statistik  jim  Kindbett“  Gestorbenen  genau  übereinstimmt
  mit  der  Summe  der  —  laut  Ausweis  für  die  Reichsstatistik  —  an  „Kindbettfieber“
  und  „anderen  Folgen  der  Geburt  einschließlich  Fehlgeburt“
Gestorbenen.

Während  der  drei  Jahre  starben:

in  Berlin  „im  Kindbettt.  6226,
„  Wien  an  „Infektionen  nach  Entbindung  oder  Abortus  4393,
„  Paris  an  fièvre  puerpérale  et  autres  affections  puerpérales  1.000,
mithin.  aus  angegebener  Ursache  auf  je  10  000  lebend=  und  todtgeborene  Kinder  in  Berlin
39,5,  in  Wien  30/8,  in  Paris  52,s  weibliche  Personen.  Zu  einem  Vergleiche  mit  London
ist  man,  da  die  daselbst  vorgekommenen  Todtgeburten  nicht  registrirt  sind,  auf  eine
Sch  ätu  ng  der  Zahl  der  todtgeborenen  Kinder  angewiesen.

Nimmt  man  an,  daß  in  London,  wie  durchschnittlich  in  den  3  anderen  Großstädten,
auf  je  1000  lebendgeborene  Kinder  rund  54  todtgeboren  sind,  so  ist,  da  während  der
drei  Jahre  1891  bis  1893  in  London  399  787  Kinder  als  lebendgeborene  in  die  Listen
eingetragen  worden  sind,  die  Zahl  der  dort  lebend=  und  todtgeborenen  Kinder  auf  rund
421  000  zu  schätzen.

Während  derselben  drei  Jahre  starben  in  London  an  „puerperal  fever“  887,  an
„accidents  of  childbirth“"  925,  zusammen  1  812  weibliche  Personen,  also  nach  vorstehender
Schätzung  etwa  43  auf  je  10  000  Lebend=  und  Todtgeborene,  d.  i.  mehr  als  in  Wien
und  in  Berlin,  aber  weniger  als  in  Paris.

1)  Nach  den  aus  Italien  veröffentlichten  Erfahrungen  kamen  während  der  Jahre  1893  und  1894  auf  je
1000  lebend=  und  todtgeborene  Kinder  988  Geburten,  d.  h.  Wöchnerinnen.  (cause  di  morte  1893/94.  S.  XV.)