322 Letzte Jahre, Krankheit und Tod (18941—1902).
war das Begräbnis der Herzogin Agnes von Altenburg. Der
König fuhr dazu im Extrazug mit mir früh nach Altenburg
und kehrte gegen Abend zurück.
Die ersten Monate des Jahres 1898 brachten keine be-
sonderen Ereignisse. Der Karneval verlief in der gewohnten
Weise. Der König konnte an allen Festen teilnehmen. Zu
Kaisers Geburtstag weilte er in Berlin. In diesem Jahre
sollte er zwei besonders schöne Tage begehen, den 70. Ge-
burtstag und das 25 jährige Regierungsjubiläum. Es ent-
stand der Wunsch, die beiden Feiern zusammenzulegen. Der
König selbst entschied sich für den 23. April, da er einerseits
nicht gern am Todestag seines Vaters eine große Feier
haben wollte, anderseits wünschte, bei seiner Feier auch den
Landtag zusammen zu sehen. So wurde also der 23. April
für die Doppelfeier gewählt. Zahlreiche Fürstlichkeiten stellten
ihr Erscheinen in Aussicht, darunter auch der Kaiser. Auch
der Kaiser von Österreich sprach den Wunsch aus, zu erscheinen,
zweifelte aber etwas, ob es wegen Rangschwierigkeiten gehen
würde. Da erklärte Kaiser Wilhelm dem Gesandten Graf
Hohenthal gegenüber, es sei kein Zweifel, daß er dem anderen
Kaiser nachgehen würde, und bat ihn, das nach Dresden zu
melden. So war auch diese Frage gütlich gelöst.
Die Feierlichkeiten begannen mit dem Empfang der Armee-
deputation am 20. April. Abends wurde das Theater besucht.
Nach demselben fand Zapfenstreich auf dem Theaterplatz
statt. Am 21. war ein großes Diner im Schloß und ein Fest,
das die Stadt gab. Am 22. trafen die Fürstlichkeiten ein. Es
waren dies der Prinzregent Luitpold von Bayern, der Groß-
fürst Paul von Rußland als Vertreter des Kaisers, der Kron-
prinz von Schweden als Vertreter des Königs, der Großherzog
Ernst von Hessen, mein Schwager Albrecht von Württemberg
als Vertreter des Königs, der Erbgroßherzog Friedrich von
Baden als Vertreter des Großbherzogs, der Herzog von Genua,
der Erbgroßherzog August von Oldenburg, der Graf von
Flandern, der Erbgroßherzog Wilhelm Ernst von Sachsen,