328 Lynar.
Ein Sohn dieses berühmten Mannes war Johann Kasimir, Graf
zu I,ynar, kurbrandenburgischer Geheimer Rath und Oberkammerbert,
auch Staithalter in Bayreuth. ir wohnte im Jahre 1611 als kurfürstl.
Bevollmächtigter den Verhandlungen zu Jüterbogk in Sachen der Jülich'schen
Erb- und Successionsangelegenheit bei- Seine Gemahlın
war Biisabetlı v. Distelmeyer, die lönkelin des hochberühmten Kanzlers.
Diese erkaufte nach dem Tode ihres Gemahls die Herrschaft
Lübbenau in der Niederlausitz, die noch heute ein Besitz der älteren
gräflichen Linie des Hauses ist; eben so erwarb sie die Herrschaft
Glienike. Der Soln aus dieser Ehe, Johann Sigismund, Graf zu
l,ynar, war kursächsischer Gebeimer Rath, Landrichter in der Niederlausitz,
und Herr der Herrschaften Lübbenau und Glienike. Er
starb im Jahre 1665, nachdem er die Feldzüge des dreissigjähr. Krıeges
mitgemacht, und besonders 1642 in der Schlacht bei Leipzig sich
ausgezeichnet hatte, Kais. Ferdinand III., an dessen Hofe er Gesandter
war, schätzte ilın vorzüglich. — Der Enkeldesselben, Friedrich Kasinurs
Graf zu Lynar, geb. den 27. Juli 1673, Herr der Herrschaften Liebenau
und Bucko, Johanniterritter, kursächsischer Kammerherr un!
Oberamtsratli in der Niederlausitz, starb am 27. April 1716. Er waf
mit Eva HKlisabetli, Tochter des Grafen Adam v. Windischgrätz, vermählt.
Aus dieser Ehe wurde geboren Morits Karl, Graf zu l,ynab
kursächsischer wirklicher Gehbeimer Rath und Präsident der Oberamts-
Regierung in der Niederlausitz, Gesandter am kaiserl. Hofe zU
St. Petersburg, um das Jahr 1740. Er starb am 24. April 178%
nachdem er schon seit dem 24. März 1730 Wittwer von Christian®
Friederike Henriette, Gräfin v. Flemming, einer Tochter des Grafen
Joachim Friedrich v. Fleming, geb. am 27. Septbr. 1709, und velmählt
am 7. Novbr. 1728, war. — Der gelehrte Bruder des Grafen Moritz
Karl, Rochus Friedrich, Graf zu Lynar, geb. am 16. Dechr. 1708;
war königl. dänischer Conferenzrath, Statthalter in Oldenburg und
Dölmenhorst, Ehrenmitglied der Gesellschaft der Wissenschaften 19
Kopenhagen, Ritter des ilephantenordens, und des Ordens de l’Union
parfaite. Er ererbte von srinem kinderlos verstorbenen Bruder Moritz
Karl die Herrschaften Lübbenau und Bucko, war seit dem ?2
Mai 1735 mit Sophie Marie Helene, des Grafen Heinrich XXIV-Reuss
zu Köstritz, Tochter (geb. am 30. Novbr. 1712) vermählt, erzeugte
mehrere Söhne und Töchter, und starb am 13. Novbr. 1781.
Ehe wir dieselben näher erwähnen, bemerken wir hiermit, dass dieser
gelehrte Graf verschiedene Werke und Schriften hinterliess, die
in Johann Georg Meusel’s gelehrtem Deutschland, Bd. II. S. 676. fulgendermaassen
verzeichnet stehen. Seneca, von der Gnade, übersetzt
mit Anmerkungen. Hainburg. 1753. Seneca, von der Kürze des Le
bens. 1764. Versuch einer Paraphrasis des Briefes Pauli an die Römer.
1754. KEıklärende Umschreibung des Briefes an die Hbräer-Bremen.
1755. Der Sonderling. Hannover. 1761. Franz. L’homme
singulier. a Copenhag. 1774. Erklärende Umschreibung sämmtliche!
apostolischer Briefe. Jialle. 1765. Rede bei der kurfurstl. Huldiguns
in Lübben 1768. Hrklärende Beschreibung des Evangelit! Johann3s-1770.
Erklürende Umschreibung der vier Evangelisten. Halle. 1779
Neue Miscellaneen, historischen, politischen, moralischen, auch sonst
verschiedenen Inhalts. 2 Stücke. Leipzig. 1775. — Der älteste def
Söhne des Grafen Rochus Friedrich war Friedrich Ulrich, Graf ZU
Lynar, geb. am 16. März 1736, königl. dänischer Kammerherr u. s. W
So viel uns bekannt ist, ist derselbe nicht vermählt gewesen, ode!
doch kinderlos gestorben. — Der zweite der Söhne, Christian Ernst
Graf zu Lynar, Ritter des Johanniterordens, starb am 28. April 178#-kr
ist der Stammlerr der heutigen Grafen zu Lynar. — Der dritte