Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1822. (17)

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Troyes  ist  eine  Stadt  von  50,000  Einwohnern,  teilweise
prächtig  gebaut  mit  schönen  geraden  Straßen  und  Promenaden
und  einer  herrlichen  Kathedrale,  die  alten  Stadtteile  dagegen
sind  über  die  Maßen  eng  und  winklig.  Dort  haust  ein  schlimmes
Proletariat,  das  auch  bei  unserem  Einmarsch  die  Stadt  bei—
nahe  in  eine  sehr  üble  Lage  gebracht  hätte.  Das  Arbeiterkorps
  hatte  nämlich  mit  echt  französischer  Bramarbasserie  vor
unserem  Einmarsch  geprahlt,  uns  schon  abhalten  zu  wollen,
hatte  die  Straßen  durchbrochen,  Schanzen  aufgeworfen  u.  s.  w.,
und  hatte  der  vernünftige  Teil  der  Bürgerschaft,  der  wohl  ein—
sah,  daß  mit  derartigen  Mitteln  der  Invasion  nicht  zu  begegnen
sei,  zum  Widerstande  den  Arbeitermassen  gegenüber  aber  zu
schwach  war,  die  Sache  geschehen  lassen  müssen.  Als  sich  aber
die  preußischen  Truppen  zeigten,  hatten  die  Blusenmänner  sich
tapfer  nach  rückwärts  konzentriert  und  ihre  Schanzen  im  Stiche
gelassen.  Bis  jetzt  waren  überhaupt  die  Bestrebungen,  unsern
Vormarsch  zu  hindern,  sehr  ohnmächtiger  Natur  gewesen.  Meistenteils
  beschränkten  sich  die  Hindernisse  darauf,  daß  man  die
Chausseebäume  gefällt  und  über  die  Straße  geworfen  und  die
Chaussee  durchstochen  hatte.  Oft  noch  dazu  an  so  ungeeigneten
Stellen,  daß  die  Kolonnen  ohne  Mühe  ausbiegen  konnten.
War  so  ein  Hindernis  einmal  in  einem  Desilé,  so  trieb  die
Avantgarde  ohne  weiteres  die  Bevölkerung  des  nächsten  Dorfes
herbei,  und  alles  mußte  auf  Tod  und  Leben  arbeiten,  um  möglichst
  schnell  die  Löcher  wieder  auszufüllen,  die  sie  vorher  mit
so  großer  Anstrengung  gegraben  hatten.  Zu  solchen  vergeblichen
  Arbeiten  waren  die  Leute  durch  Agenten  der  Regierung
de  la  défence  nationale  veranlaßt  worden,  die  überall  im  Lande
herumreisten  und  die  levée  en  masse  predigten.  Ferner  waren
an  den  Chausseen  die  Nummern  von  den  Kilometersteinen  und  die
Wegweiser  entfernt  worden,  ebenso  bei  den  Dörfern  die  eisernen
Tafeln,  die  sich  bei  jedem  Eingange  befinden  und  den  Namen
des  Ortes  und  Departements  und  die  Entfernung  desselben  bis
zum  nächsten  Orte  angeben.  Daß  wir  Karten  hatten  und  uns
daher  auch  ohne  ihre  Wegweiser  und  Ortstafeln  zurechtfinden
konnten,  daran  war  natürlich  nicht  gedacht  worden.  Jedes
Dorf  hatte  ferner,  um  es  zum  Widerstande  zu  ermutigen,  eine
Anzahl  Gewehre,  alte  glatte  Perkussionsflinten  und  Faschinen-