Full text : Die Frau als Hausärztin.

150  Kleidung.

Dr.  Walser  hebt  auch  die  Vorzüge  der  Chinagraswäsche  hervor,
welche  die  Vorzüge  der  Seide  ohne  deren  Nachteil  haben  soll.

Bahnbrechend  in  der  Bekleidungsreform  waren  als  erster  Professor
Jäger,  als  zweiter  Dr.  Lahmannz;  sie  haben  verschiedene  Nachfolger  gehabt.

Unter  den  neuerdings  bekannt  gewordenen  Reformstoffen  aus  Baumwolle
ist  das  Goßmannsche  Ventilationsgewebe  und  die  Gesundheitswäsche
  nach  Dr.  Fischer-Dückelmann  (Budde  in  Bielefeld)  hervorzuheben.
  Es  werden  ersterer  große  Weichheit,  Billigkeit,  Haltbarkeit  und  größere
Durchlässigkeit  als  alle  Trikotstoffe  sie  haben,  nachgerühmt.  Um  verschiedenen
Ansprüchen  Rechnung  zu  tragen,  werden  die  Goßmannschen  Stoffe  in  vier
verschiedenen.  Qualitäten  hergestellt;  sie  führen  die  Namen  Eos,  Triton,  Norne
und  Luna.  Luna  ist  großlöcherig,  kräftiger  im  Faden  und  billiger  als  die  anderen,
Norne  ist  das  feinste  und  weichste  Gewebe.  Beifolgende  Abbildung,  Fig.  95,
stellt  dieses  Gewebe  dar.  Sie  sind  in  Weiß  und  Creme  zu  haben.  Auch
das  Bud  desche  Gewebe  ist  in  verschiedenen  Arten  zu  haben.  Für  Sommeroder
  Winterwäsche  ist  es  dünner  oder  dicker  im  Faden  hergestellt.  Da  die
weiße  Wäsche  nach  altem  Brauch  meist  vorgezogen  wird,  so  sind  die  schönsten
und  elegantesten  weiblichen  Wäschestücke  auch  nur  in  Weiß  zu  haben.  Auf
Seite  162  ist  die  Gesundheitswäsche  nach  Dr.  Fischer-Dückelmann  näher
besprochen.  Trotz  des  spitzenartigen  Eindruckes,  den  neues  leichtes  Buddesches
Gewebe  macht,  ist  es  doch  auch  genügend  fest,  was  die  eingefügten  dichten
Streifen  erklärlich  machen.

Gefärbte  Unterkleider  sind  auch  nicht  günstig,  erstens,  weil  der  Naturzustand
  der  Gewebsfaser  durch  die  Farbstoffe  verändert  ist,  zweitens,  weil
man  an  ihnen  sich  ansammelnden  Schmutz  weniger  sieht.  Selbstverständlich
werden  sie  auch  dichter  durch  den  Vorgang  der  Färbung.  Ebenso  ist  die  in
den  letzten  Jahren  allgemein  gewordene  Mode  der  schwarzen  Strümpfe  eine
höchst  unsaubere  Einrichtung,  auch  der  Gebrauch  der  weißen  Unterröcke,  die
den  Boden  bei  jedem  Schritt  berühren.  Ein  Ausgang  genügt,  um  den  Rock
schmutzig  zu  machen,  und  seine  häufige  Reinigung  kostet  Zeit  und  Geld;  er
wird  gut  durch  farbige  und  kurze  Röcke  ersetzt.  Dagegen  trägt  man  schwarze
Strümpfe  oft  acht  Tage  lang,  und  —  sie  sind  auch  am  neunten  Tage  immer
noch  schwarz!  Der  Fuß  braucht  um  so  mehr  Wechsel,  je  dichtere  Schuhe  wir
tragen,  was  uns  übrigens  schon  unsere  Nase  lehrt.  Farbige,  dem  Oberkleid
angepaßte  Spitzen  strümpfe  sind  daher  im  Sommer  ebenso  hygienisch  wie  schön,
bei  großer  Hitze  aber  empfehlen  wir  unter  langen  Kleidern  und  wenn  schön
geschnittene  Sandalen  getragen  werden,  gelegentlich  auch  ohne  Strümpfe  zu
gehen.  Die  Strumpflosigkeit  wird  dann  als  Wohltat  empfunden.  Selbstverständlich
  erhöht  sich  dann  die  Notwendigkeit  der  Fußwaschungen  mit  Seife.  Die
undurchlässigen  und  daher  gesundheitlich  verwerflichen  Bekleidungsstoffe  sind

Pelz,  Gummi,  Leder.
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