Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

94  Schlacht  bei  Sedan.

wohl  immer  noch  bedeutend  schwächer  als  der  Feind,  wieder  vor.  Da
formirte  sich  ein  Regiment  französischer  Kürassiere  gegen  die  schwachen
preußischen  Truppentheile,  ihre  Helme  und  Panzer  funkelten  im  Sonnenglanze,
  mit  wildem  Jagen  stürmten  die  Eisenreiter  gegen  die  preußischen
  Tirailleure.  Diese  ließen  die  Schwadronen  bis  auf  150  Schritt
kaltblütig  herankommen  und  empfingen  sie  dann  mit  einem  Schnellfeuer,
  welches  in  den  dichten  Massen  die  fürchterlichste  Verheerung
anrichtete.  Hunderte  von  Rossen  und  Männern  stürzten  übereinander,
eiligst  schwenkte  der  Rest  des  Regiments  wieder  zurück.

Da  versuchte  französische  Infanterie  ihr  Heil.  Sie  gingen  unter
stetem  Feuern  gegen  die  Preußen  vor,  aber  als  sie  in  die  Nähe  gekommen,
  empfing  sie  dasselbe  Feuer,  welches  die  Kürassiere  niedergeworfen,
  und  ein  Regiment  Chasseurs  d'Afrique,  welches  zur  Attaque
ansprengte,  wurde  eben  so  blutig  zurückgewiesen.  In  dieser  Zeit  fuhr
preußische  Artillerie  hinter  der  Linie  der  Tirailleurs  auf  und  feuerte
in  die  dichtgedrängten  feindlichen  Kolonnen.  Noch  ein  letztesmal
warfen  französische  Kavallerieregimenter  sich  wie  Verzweifelte  auf  die
anrückenden  Preußen,  aber  nur  um  fast  gänzlich  vernichtet  zu  werden,
und  nun  ging  die  französische  Infanterie  raschen  Laufes  nach  Sedan
zurück,  auf  dem  Fuße  folgten  ihnen  die  preußischen  Regimenter.

Einen  harten  Stand  hatten  indeß  im  Süden  der  Stadt  die
Baiern.  Mit  ausgezeichneter  Tapferkeit  waren  sie  gegen  Bazeilles
angerückt,  welches  von  französischer  Marineinfanterie  auf  das  hartnäckigste
  vertheidigt  wurde.  Baiersche  Jäger  stürmten  das  Dorf,  sie
wurden  unter  schweren  Verlusten  zurückgeworfen,  der  zweite  Sturm
brachte  das  Dorf  abermals  in  ihre  Hände,  und  diesesmal  hielten  sie
es  fest.  Doch  an  dem  erbitterten,  furchtbar  blutigen  Kampfe  betheiligten
  sich  selbst  die  Einwohner  des  Dorfes,  aus  den  Häusern  schossen
sie  auf  die  Baiern.  Hart  bedrängt  in  der  Front,  nun  auch  im  Rücken
angegriffen,  schleuderten  die  Jäger  Feuer  in  die  Häuser  und  drangen
weiter  vor.  Aber  der  Fanatismus  zeigte  sich  hier  in  der  scheußlichsten
  Weise.  Nachrückende  Baiern  kamen  gerade  dazu,  als  Einwohner
  des  Dorfes  eben  dabei  waren,  einige  schwerverwundete
Baiern,  die  hülflos  auf  der  Dorfstraße  lagen,  in  die  brennenden  Häuser
zu  zerren!