gestellt, zu welchem von den drei Brüdern sie sich bekennen
wollten, und dadurch stiegen sie aus der Rolle
gehorsamer Untertanen gleichsam zur Würde von Beschützern
empor. Bereits unter den Karolingern finden
sich Spuren von Erblichkeit der Ämter. Wir können die
Sache zwar nicht mit Bestimmtheit erforschen, aber wir
finden ein Kapitulare aus der Zeit Karls des Kahlen, nach
welchem die Könige nicht mehr das Recht haben sollen,
die Magnaten ihrer Honores, d.h. nicht nur ihrer Ehren->
ämter, sondern auch ihrer Besitztümer zu entkleiden.
Während also unter Karl dem Großen das Ganze eine
alles umfassende Einheit gewesen war, so erhob sich unter
seinen Söhnen und Nachfolgern eine mächtige Aristokratie
in den Herzogen und anderen Großen.
Währenddessen suchte auch die Geistlichkeit den Ver:
fall der höchsten weltlichen Autorität zu ihren Gunsten
auszubeuten. Hierbei diente ihnen als mächtiger Hebel
eine der merkwürdigsten Produktionen, die je menschs>
liche List zum Vorschein gebracht, nämlich die falschen
Dekretalen, d.h. eine Sammlung von meist gefälschten
päpstlichen Dekreten, in welchen den Päpsten Rechte
beigelegt wurden, die oft jeder Begründung entbehrten.
Da aber diese Dekrete überall, undnamentlichin Deutschland,
für echt angesehen wurden, so fanden die späteren
Ansprüche der Päpste, die sie im 9. Jahrhundert zwar
nicht durchsetzten, wohl aber bereits formulierten, hierin
die kräftigste Basis.
Also durch drei Momente war die mächtige Einheit,
welche Karl der Große gestiftet hatte, wieder zersetzt
worden: 1. durch die inneren Kämpfe seiner Nachfolger;
2. durch die Erhebung der Magnaten infolge dieser
Kämpfe; 3. durch das mächtige Emporstreben der Päpste,
welche nunmehr Rechte geltend machten, an die
man früher nicht dachte. Die Einheit des Reiches bestand
aber noch fort, und auch die Kultur war im vollen
Schwunge und hatte sich nach Regionen erstreckt, die sie
früher nicht erreicht hatte.
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