Full text : Archiv für öffentliches Recht.Zwölfter Band. (12)

Im  ganzen  wirkten  vor  Kriegsausbruch  in  den  deutschen
Kolonien  mit  Einschluß  von  Kiautschou  476  Missionspriester,
30  Laienbruͤder  und  462  Missionsschwestern.  Auf  232  Hauptund
  1680  Nebenstationen  wurden  rund  166  O00  Katholiken  und
57  ooo  Taufbewerber  gezählt.

Die  evangelische  Mission  Deutschlands  war  zu  Beginn  der
deutschen  Kolonialära  bereits  durch  große,  blühende  Arbeitsfelder
  in  Anspruch  genommen.  Gleichwohl  ist  auch  sie  in  die
koloniale  Arbeit  mit  Eifer  und  starkem  Krafteinsatz  eingetreten.

Die  evangelischen  Missionen  haben  im  Gegensatz  zu  den  katholischen
  keine  mit  Befehlsgewalt  ausgestattete  Zentralstelle.  Das
gilt  nicht  nur  für  die  Missionen  der  verschiedenen  Staaten,  sondern
  auch  für  die  deutschen  Missionen  in  ihrem  Verhältnis  zueinander.
  Es  erklärt  sich  das  aus  der  Gliederung  des  evangelischen
  Teils  Deutschlands  in  einer  Reihe  von  Landeskirchen  und
Sondergemeinschaften,  denen  es  aber  an  einer  sie  zusammenschließenden
  Organisation  nicht  fehlt!  Dazu  kommt  als  weitere
Besonderheit  die  Unabhängigkeit  der  Missionen  von  den  Kirchen.
Eine  Ausnahme  davon  machen  nur  einige  Missionen,  wie  z.  B.
die  der  Brüdergemeine,  der  es  die  Art  ihrer  nicht  territorial  begrenzten
  Verfassung  ermöglicht  hat,  Missionsarbeit  in  fremden
Ländern  als  kirchliche  Angelegenheit  zu  betreiben.  Sonst  liegt
die  Ausbreitung  des  evangelischen  Glaubens  unter  den  Heiden
in  den  Händen  von  Gesellschaften  und  Vereinen.  Ohne  organischen
  Zusammenhang  mit  den  heimatlichen  Kirchen,  siellen  sie
selbständige  Körper  mit  eigener  Finanzwirtschaft  dar  und  leiten
mit  eigener  Befugnis  die  Arbeit  der  Missionare  und  die  heidenchristlichen
  Kirchen.  Das  bedeutet  aber  nicht,  daß  das  protestantische
  Missionsleben  sich  ohne  jede  Fühlung  mit  den  Landeskirchen

38