dann während des Krieges rasch gewachsen. Bei der Wertung der
Zahlen muß man aber immer beachten, daß im Kriege zu rechnen
ist: 1/3 in Aktion, 1/3 auf Hin- und Rückfahrt, 1/3 in Reparatur.
Die Leistungen der U-Boote haben sich die Bewunderung der ganzen
Welt und den heißen Dank des Vaterlandes erworben.
Unvergessen muß dem Admiral v. Tirpitz die großartig gelungene
Schöpfung der Handelskolonie Tsingtau bleiben. Hier bewährte
sich sein glänzendes Talent für Administration und Organisation
auf allen Gebieten. Sie haben aus dem Ort, der vorher
fast unbekannt und ganz bedeutungslos war, einen Handelsplatz
geschaffen, der in wenigen Jahren einen Handelsumsatz von 50 bis
60 Millionen bewältigte.
Der aus seiner amtlichen Stellung sich ergebende Verkehr mit
Parlamentariern, der Presse und den Kreisen der Großindustrie
und des Welthandels erhöhte mit der Zeit das Interesse des
Admirals an politischen Vorgängen, insbesondere an den auswärtigen
Fragen. Bei solchen mußte ja immer mit der Verwendung
von Schiffen gerechnet werden. Der klare Weitblick des das Ausland
von seinen Reisen kennenden Seemanns befähigte Tirpitz zu
raschen Entschlüssen, die sein feuriges Temperament gern schnell in
die Tat umgesetzt sehen wollte. Der Widerstand und das langsame
Arbeiten der Beamtengeister vermochten ihn stark zu reizen.
Eine gewisse, durch mancherlei Erfahrungen vielleicht bestärkte, Neigung
zum Mißtrauen verführte ihn öfters dazu, berechtigten oder unberechtigten
Verdacht gegen einzelne Menschen zu hegen. Das gab
Tirpitz etwas stark Zurückhaltendes in seinem Wesen und „hemmte
des Herzens freudige Bewegung“ bei anderen. Auch konnte er,
wenn er auf Grund neuer Überlegungen oder neuer Tatsachen seinen
bisher vertretenen Standpunkt änderte, seine neue Ansicht recht entschlossen
geltend machen. Daraus resultierte, daß das Zusammenarbeiten
mit ihm sich nicht immer ganz amön und leicht gestaltete.
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